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Bischof Wulfhelm
Mündlich
Kaiser Ludwig II. auch der Deutsche genannt, verirrte sich eines Tages auf der Jagd und kam spät Abends in einen Flecken, Kazenhausen, wo er in der Wohnung des Pfarrers seine Einkehr nahm. Der Pfarrer war ein schlichter, armer Mann, aber gar guten Herzens. Er empfing den Kaiser mit Freundlichkeit und Liebe und ließ ihn in seinem eigenen Bette schlafen; er hatte nur eins, doch das that nichts: „Ich schlafe eben so gut auf meinem Bundel Stroh,“ sprach er. Auch sott er ihm einen guten Brei und am andern Morgen nach der Messe brachte er ihm Brot und Butter und einen Becher frischen klaren Wassers. Als der Kaiser nun wieder weggehen wollte, sprach er zu dem Pfarrer: „Saget mir, Herr, welchen Dienst ich euch erweisen kann; ihr habet mir so viel Liebes bewiesen.“ Der Pfarrer sprach: „Ihr sehet, Herr, mir fehlt nichts; wollt ihr mir aber etwas geben, dann sendet mir ein Stück Leder zu einem Gürtel, denn meiner ist gar abgenutzt.“ Das versprach ihm der Kaiser.
Nach einigen Wochen kam ein Herold nach Kazenhausen, der trug einen prachtigen Gürtel, mit Gold und Edelgestein verziert, in der Hand und einen Brief mit des Kaisers Siegel daran und in dem Briefe stand, daß der Geistliche zu einem Bischofe von Münster gewählt wäre und dem Herolde folgen sollte. Lange sträubte der Priester sich dagegen, doch mußte er endlich gehorchen und er hat lange und weise sein Bisthum verwaltet
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
