Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:deutschemaerchenundsagen275

<<< vorherige Sage | Deutsche Märchen und Sagen | nächste Sage >>>

Bischof Hildebold von Köln

  Mündlich. Kölnische Chronik. 1499. S. 115. Winheim u. v. a. 

Hildeboldus war der 19. Bischof von Köln; im Jahre 784 wurde er also gekoren. Nachdem sein Vorgänger Ricolphus gestorben war, entstand ein langer Streit über die Wahl eines neuen Bischofs. Davon hörte Kaiser Karl in Aachen. Er setzte sich auf sein Pferd und ritt gen Köln. In der Nähe der Stadt hörte er in einem Kirchlein zur Messe läuten, der wollte er zuvor beiwohnen und dann nach Köln ziehen. Als er in die Kapelle trat, hatte er einen Hornfäßer umhängen, gleichwie die Jäger zu haben pflegten, und er opferte auf dem Altare einen Gulden. Als die Messe zu Ende war, nahm der Priester, welcher Hildebold hieß, den Gulden und sprach zu dem Kaiser, den er nicht kannte: „Freund, nehmet den Gulden zurück, man opfert hier nicht mit Gulden.“ Er glaubte nämlich, der Kaiser habe sein spotten wollen, denn es war ein gar einfaltvoller Mann. Darauf antwortete der Kaiser: „Herr, behaltet den Gulden, ich gebe ihn euch gern.“ Hildebold sprach: „Ich sehe wohl, ihr seid ein Jäger, darum bitte ich euch, schicket mir doch die Haut von dem ersten Rehe oder andern Wilde, welches ihr erjaget; mein Meßbuch bedarf eines Ueberzuges sehr; euern Gulden aber wollet behalten.“ Als der Kaiser diese offene gerade Rede hörte, fragte er die Umstehenden aus über des Priesters Lebensweise und vernahm, daß es ein frommer und rechtschaffener Mann war.

Dann ritt der Kaiser weiter gen Köln und erforschte den Streit und als die Wähler nicht einig werden konnten, sprach er: „Ich will euch einen Bischof wählen.„ Da ließ er den Priester herbeiholen und gab ihnen den zu einem Bischofe und der regierte 34 Jahre und als Kaiser Karls Sohn Ludwig Kaiser wurde, krönte er diesen. Als er starb, begrub man ihn in Sankt Gereon zur rechten Hand neben dem ersten Altar.

Quelle: Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845


sagen/deutschemaerchenundsagen275.txt · Zuletzt geändert: von ewusch