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Die Gründung der Liebfrauen Kirche zu Aachen
Das. v. 2465.
Da sagte ihm eine Erscheinung, daß er der heiligen Frau Maria dort eine Kapelle bauen solle, und der König vergaß es nicht. Den Stein ließ er von weitem kommen und die Kapelle bauen, so schön, wie keine war in der Welt und er ließ sie rund machen nach dem Hufe seines Pferdes, welches das Wasser drunten heiß fand. Auf diese Weise ließ er sie bauen, daß in der Welt keine schönere Kirche war. Und mit Martyrern und Beichtigern, welche er von fern und nahe zuholte, und mit Kelchen und Kreuzen, und Kleidern und Gold, und Glocken und schönen Buchern, welche viele Marken und Pfunde kosteten, schmückte der reiche König sie sehr und ließ nichts daran fehlen.
Und von dem Apostel (Papst) Adrian, welchen er entbot, um wohl zu thun, Baronen und Fürsten und Bischöfen, Primas, Aebten und Erzbischöfen und Rittern und Herren von gutem Rufe, wurde sie zur Ehre unserer Frauen geweiht und geheiligt und benedeit und geordnet von dem Papste, welchen der gute König mit reichem Geleit dazu entboten hatte. Und der arme Karl entbot dahin Barone und Konig und Herzog und Graf und Fürst und Hohe und Niedre und Arm und Reich, und Cardinale und alle Priesterschaft. Und als der Ort geweihet war, da bat und gelobte er der Priesterschaft und allen Baronen, daß für immer die Erben des Reiches an diesem Orte gekrönt und zu Königen gemacht werden sollten, und von da nach Rom zur Weihe gingen, um gekrönt zu werden als Könige und Kaiser von jenem Tage an.
Das bestätigte der Papst dem guten Könige, den er sehr liebte, und die Barone und Alle, welche zugegen waren, thaten desgleichen. Und damit dies dauernd sei, hing der König sein verehrtes Siegel daran, um es besser zu sichern und daß Keiner es fälschen möge.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
