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Sagen vom Pilatusberg und Pilatussee
Kircheri mund. subterran. VIII, 4, 2.
Der Pilatussee liegt auf dem Pilatusberge bei Luzern und hat, wie der Mummelsee die Eigenschaft, daß, wirft man etwas hinein, es Unwetter gibt. Auch sa gen die Hirten, es gäbe Unwetter, wenn man blos rufe: „Pilatus, wirf deinen Schlamm aus! „ Sie zeigen in den umliegenden Felsen einige Fußtapfen und erzählen, die kamen von den Klauen des Teufels; denn der führe alle Jahre am Charfreitage Pilatus, in eisernen Ketten gefesselt, zu dem See und zu einem Throne, auf den er sich sehe und die Hände wasche; auch soll der See das Gefängniß und der Ort sein, wo Pilatus die Strafe der Verdammniß leidet. In dem Pilatusberge sind viele Höhlen und Löcher, von denen man sagt, daß Erdmännchen darin wohnten, die sich oft sehen ließen, den Guten Gutes und den Bisen alles Ueble thäten. So haben sie einigen Bergleuten viel Gold geschenkt, andere dagegen ungemein gequält und wieder andere in Abgründe geworfen. Auf verschie dene an sie gerichtete Fragen haben die Erdmännchen Antwort gegeben, woraus Manchem großes Glück erwachsen. Ein Mann ist einmal in eine der Höhlen hineingegangen und hat daselbst in feuchtem Sand Fußtapfen, wie von einem dreijährigen Kinde, gefunden.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
