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sagen:deutschemaerchenundsagen248

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Der Geist zu Schweikershausen

Anno 1666 in der Woche vor Ostern hat ein wunderseltsames Spiel zu Schweikershausen, einem Dorf, welches ins fürstliche Amt Heldburg gehörte, angefangen. Es ließ sich nämlich in Heinrich Kegels Haus unter einem Bett ein Geist sehen, gleich einem Kind, mit einer goldenen Krone auf dem Haupt, der klopfte und anderes Geräusch machte. Er zeigte sich den bald zulau­fenden Einwohnern als ein Engel, gab sich nachmals als die Seele einer verstorbenen Weibsperson aus. Seine Hand war kalt, und wer von den Zukommenden ihm die seine gereichet, dem hat er einen Schatz von 90.000 Dukaten versprochen.

Bald darauf hat es in dem Haus angefangen, schrecklich zu poltern, sodass die Bauern furchtsam nach Heldburg liefen und sprachen, sie müssten das Dorf verlassen, wenn nicht Rat und Hilfe wider den Geist geschafft würde. Darauf begab sich M. Buchenröder mit Johann Hasen, Pfarrer zu Hellingen, dahin und bewiesen den Einwohnern in einer Predigt, dieser Geldgeist wäre kein guter, sondern ein böser Engel und dem hätten sie sich durch das Hand­reichen zu eigen gegeben und so ferner.

Unterdessen dauerte das Klopfen in Kegels Haus unter dem Bett noch stets fort. Einmal rief der Geist: »Gebt mir ein Kind, so will ich weichen«, drohte dabei einem sicheren Geistlichen den Hals zu brechen, warf nach dem Licht in der Stuben und sprach selbst einmal spottweise: »Ich glaube an Jesum Christum.«

Da haben die Herren Geistlichen mit Beten und Singen begonnen und ange­halten bis in der Montagsnacht nach dem Fest Trinitatis. Da ist Kegels Haus von dem Geist befreit worden.

Quellen:


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