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Seebischof
Im Jahre l433 wurde in der baltischen See ein Wassermann gefangen, der in allem einem Bischof glich. Er trug eine Bischofsmütze auf dem Haupt und einen Bischofsstab in der Hand, hatte auch ein Kleid wie ein Messgewand an.
Der König von Polen behielt ihn etliche Tage bei sich, als er aber sah, dass der Wassermann wegen großer Betrübnis nicht lange leben würde, ließ er ihn wieder in die See setzen. Den Bischöfen bewies er sonderlich viel Ehre, ließ sich auch von ihnen berühren, sprach aber nicht.
Als der König von Polen ihn in einen Turm schließen und dort bewahren lassen wollte, setzte er sich dagegen und bat die Bischöfe durch Mienen und Zeichen, dass man ihn wieder in sein Element gehen lasse. Er wurde alsdann von zwei Bischöfen bis an die See geführt.
Als er das Wasser sah, zeigte er große Freude und sprang schnell hinein. Darauf machte er ein Kreuz, beugte sein Haupt, als ob er sich hätte bedanken wollen, und tauchte unter, kam auch nie wieder zum Vorschein.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
