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sagen:deutschemaerchenundsagen242

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Der Nicker zu Lichterfelde

Das alte und berühmte Schloss Lichterfelde war lange bekannt und gefürchtet durch einen Nicker, der sich da aufhielt. Zumeist zeigte er sich auf dem Niederhof, wo er nachts in Gestalt eines Pferdes umwandelte und die, welche kühn genug waren, sich dem Schlossgraben zu nähern, angriff und unter schrecklichem Lärm ins Wasser warf, ohne dass sie jedoch anderen Schaden davontrugen als einige Beulen und pudelnasse Kleider. Mehrere Male kam er auch nachts in die Scheune, drosch und wandelte dort mit vielem Geräusch und jagte die Leute so sehr in Angst, dass keiner es wagte, das Bett zu verlassen. Nie fand man aber morgens nach diesem Lärm auch nur ein Strohhälmchen verlegt; im Gegenteil, alles war genau in demselben Zustand, in welchem man es abends verlassen hatte.

Einmal hatte der Nicker wieder die Pferdegestalt angenommen und stand morgens auf der Weide des Niederhofes. Der Kühnste unter den Knechten ging auf das schöne Tier zu, spannte es an die Egge und arbeitete den ganzen Tag aufs Allerfleißigste damit; wurde es einmal unwillig, dann schlug der Knecht es auf eine gottserbärmliche Weise. Alles ging gut; aber als der Knecht es abends ausspannte, da schoss es in Feuer und Flamme auf und erhob sich unter gräulichem Gewieher in die Luft.

Gegen Mitternacht pochte es an Türen und Fenster des Hofes; alle lagen in Angstschweiß gebadet; endlich hörten sie eine Stimme draußen, die rief: »Bauer! Bauer! Bauer! Ich habe deine Egge ins Wasser geworfen.« Dann flog es mit großem Geräusch vom Hof weg. Morgens fand man die Egge, woran der Nicker gezogen hatte, im Wasser liegen.

Danach hat sich der Nicker noch zu verschiedenen Malen als Geißbock gezeigt und trug alsdann eine brennende Kerze zwischen den Hörnern. Als die Gräben aber langsam verfielen und ausgefüllt wurden, verschwand er und soll sich seitdem, wie man versichert, in der nahen Neuzebeek aufhalten.

Quellen:


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