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Kobold quält den Soldaten
Ein französischer Kürassierhauptmann, der in Flandern im Winterquartier lag, saß eines Morgens beim Frühstück, als einer seiner Reiter zu ihm kam und ihn bei allen Heiligen beschwor, ihm ein anderes Quartier anzuweisen, indem er jede Nacht von einem Kobold beunruhigt werde, der ihn nicht schlafen lasse. Dessen lachte der Hauptmann herzlich und schickte den Reiter weg. Ein paar Tage danach kehrte derselbe wieder und erneuerte seine Bitte; der Hauptmann wurde aber böse darüber und drohte ihn mit einer Tracht Schläge, wenn er es noch einmal wage, sich zu beklagen. Das dauerte wieder einige Tage; da kam der Reiter zum dritten Mal und erklärte, dass er sich gezwungen sähe, zu desertieren, wenn ihm seine Bitte nicht gewährt würde.
Der Hauptmann kannte den Reiter zu gut als braven Soldaten, als dass er hätte denken können, derselbe lasse sich so leicht erschrecken. Darum beschloss er, mit ihm zu gehen und selbst zuzusehen, was an der Sache sei.
Abends kam der Hauptmann in die Kammer, legte seine Pistole geladen auf den Tisch und seinen Degen neben sich ins Bett. Bis Mitternacht ging alles gut, da hörten beide etwas in die Kammer kommen. Ehe sie sich aber noch umsehen konnten, lagen sie unter dem Bett und in Kissen und Matratzen wie begraben, sodass sie sich nur mit großer Mühe wieder herausarbeiten konnten. Der Hauptmann suchte lange nach seinem Degen und seiner Pistole, und als er dieselben endlich gefunden hatte, schlich er still nach Hause und gab dem Reiter am folgenden Tage ein anderes Logis.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
