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sagen:deutschemaerchenundsagen230

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Klopfer

Auf einer berühmten Akademie in Deutschland hat sich Folgendes zugetragen: An die Tür einer Studentenkammer hörte man jeden Tag zu einer gewissen Stunde klopfen, konnte aber nie etwas sehen, auch geschah keinem ein Leid dadurch. Schwieg man nach dem ersten Klopfen und rief man nicht »Herein!«, dann war es still und klopfte nicht weiter. Rief man aber »Herein!«, dann klopfte es abermals. Die Studenten wussten das und achteten deshalb nie darauf. Es geschah aber, dass ein anderer Student die Kammer bezog. Als der am ersten Tag am Studieren saß, klopfte es zur bestimmten Stunde. Da er nicht anders denken konnte, dies sei einer seiner Kameraden, so rief er sein »Herein!« Doch da klopfte es wieder und hielt sich am Klopfen, so oft er »Herein!« rief.

Endlich wurde er dessen müde und schrie wütend: »Komm denn in des Teufels Namen herein!«, sprang zugleich auf und ging mit dem bloßen Degen in der Hand zur Tür, welche er aufriss. Doch im selben Augenblick erhielt er von unsichtbarer Hand eine sehr fühlbare Ohrfeige. Noch zorniger und vornehmlich darum, weil er niemand sah, schlug er mit dem Rapier nach allen Seiten um sich, ob er etwa den unsichtbaren Schläger treffen könnte, doch da klatschte es ihn zum zweiten Mal auf den Backen. Dadurch klug gemacht, trat er schnell rückwärts und schloss die Tür, hatte sich auch seit der Zeit nicht weiter mit dem Klopfer bemüht.

Quellen:


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