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Spukfrau in der Johannisnacht
Zwei Knappen ritten am Vorabend von Sankt Johann Baptist nach Sonnenuntergang am Ufer eines Bächleins in der Nähe der Abtei Prüm in der Eifel umher und sahen eine Frau in weißem Linnenkleid am anderen Ufer sitzen, und ich weiß nicht, was sie trieben.
Da sprach einer von ihnen: »Sicherlich ist die Frau mit Zaubereien beschäftigt, denn in dieser Nacht besonders pflegen viele derselben.«
Sogleich beschlossen beide, die Frau zu fassen, und durchritten den Bach. Die Frau aber hob ihr Gewand und floh, und wiewohl die Renner der beiden Knappen als die schnellsten bekannt waren, konnten sie die Frau doch nicht einholen, die wie ein Schatten immer vor ihnen herschwebte.
Da hob der eine Knappe an und sprach: »Das geht nicht mit richtigen Dingen zu.«
Sie bekreuzigten sich und im selben Augenblick verschwand die Frau. Die Knappen als auch die Pferde blieben aber noch länger denn ein Jahr danach siech und schwächlich.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Deutsche Märchen und Sagen, Leipzig, F. A. Brockhaus, 1845
