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sagen:deutschemaerchenundsagen180

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Das Kreuz zu Wenduine

Die Bewohner von Wenduine und den umliegenden Orten erzählen, dass eine halbe Stunde von der Küste im Meer ein Dorf, Alt-Wenduine, unter den Wellen begraben liege. Ein großes und plötzliches Wachsen der See, sagen sie, habe dessen Untergang herbeigeführt. Es geschah, dass lange Zeit nach dem Unglück die Fischer von Blankenberg einmal ihre Netze auswarfen und statt einer guten Zahl Fische ein großes Kreuz heraufzogen. Dies führten sie mit sich zum Gestade und pflanzten es daselbst auf. Am anderen Morgen aber war das Kreuz verschwunden, ohne dass jemand wusste, wohin es gekommen war. Einige Tage danach fuhren dieselben Fischer wieder auf die erwähnte Stelle und siehe, sie fischten das Kreuz zum anderen Mal. Da erkannten die Fischer, dass das Gottes Schickung sei und an dem Ort, wo sie das Kreuz gefunden hatten, die Kirche von Alt-Wenduine stehen müsse. Sie meinten sicher und fest, sie müssten das Kreuz zur Kirche von Neu-Wenduine tragen. Solches taten sie auch, und zwar in feierlichem Zug und in Gegenwart von vielen tausend Menschen, und stellten es in besagter Kirche auf einen Seitenaltar, wo man es noch sehen kann.

Zweimal im Jahre, nämlich an den Festen von Kreuzerfindung und Kreuzerhebung wallfahrten die Fischer von Blankenberg zu dem Kreuz und lassen an dem Altar, worauf es steht, eine große Messe singen. Wenn die zu Ende ist, dann nehmen sie das Bild auf die Schultern und tragen es prozessionsweise dreimal rund in der Kirche. Dadurch glauben sie, sich für das ganze Jahr Schutz in Gefahren auf der See und reichen Fischfang zu sichern.

Quellen:


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