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sagen:deutschemaerchenundsagen079

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Die Neckerstraße zu Ypern

In dieser Straße wohnte ehedem eine Wahrsagerin, die im Ruf stand, mit dem Necker umzugehen. Den schwangeren Frauen sagte sie voraus, ob sie eines Knäbleins oder eines Mägdeleins genesen, nannte ihnen auch den Ort, wo sie gebären würden. Wenn ein junges Paar heiratete, sagte sie ihnen für Geld, ob die Braut Kinder bekäme oder nicht und wie viel sie bekommen solle. Wenn die Frauen sie oft fragten, wo ihre Trunkenbolde von Männern saßen, nannte sie ihnen die Schenke, wo dieselben eben tranken. Ehe sie eine Wahrsagung aussprach, beschwor sie den Necker stets mit diesen Worten:

Kom Nenker,
myn becker,
myn wecker,
myn lotetrecker,
myn g’heim ontdecker,
en toon van baeg,
wat dat ik n Necker vraeg.1)

Dann drehte sie sich dreimal rund um und sie wusste alles zu sagen, was man sie fragte. Über ihrer Tür hatte sie ein Schild, worauf stand:

Der Necker allhier sagen kann,
was man fragt, sei’s Frau ob Mann.

Quellen:


1)
Darum nannte man zuletzt die Straße Neckerstraße.
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