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sagen:derteufelsstein

Der Teufelsstein (Köln)

 Deutsche Übersetzung nach Aegidius Gelenius
 Maximilian Wilhelm Schallenbach: Historische Beschreibung der weltberümten 
 stadtköllnischen Hohen Erzdomkirche …, Köln 1771, S. 60‒62.

»Ehemals lage vor dem H. Dreikönigenhäuschen ein sehr grosser Stein, welcher nunmehro aber weggebracht worden, und im Jahr 1434 von einem ungeheuren und schreckhaften Windsturm durch das Gewölbe der Kirche herabgeworffen ward, und wofern die Vorsicht nicht darüber gewachet hätte, das ganze Häuschen der heil. drei Königen in einander geschmettert haben würde. Dann in diesem Jahr am 7ten Octob. hat durch Europa ein solcher Sturmwind gewütet, dergleichen vorher niemals gewesen. Kein einiges Schif im Rhein hat bleiben und errettet werden können. Die Säulen der Thoren und Thürmen, welche mit eisernen Klammern angeheftet waren, warf der Sturm übern Haufen; von dem Kloster des heil. Heribertus risse er das bleierne Tach ab, und begrube es mitten in die ungestümmen Wellen des Rheins. Zu St. Gereon fiel der Schwibbogen ein und tödete den hochwürdigen Herrn Gerhard von Manderscheid, Probsten zu St. Gereon. Durch diese Sturmwetter also ward gemeldter sehr grosser Stein von seinen eisernen Banden loßgerissen und durch das Gewölbe herabgestürzet, wo dan folgende Versen zu lesen sind: Anno Milleno C. quater quartoque trigeno Nonas octobris ventus de nocte flat ingens Grandem per tectum lapidem testudine pellens.

Das ist: Im Jahr tausend, vierhundert dreisig vier den siebenden Octob. wütete in der Nacht ein heftiger Sturmwind, schmiß einen ungeheur grossen Stein durch das Tach vom Gewölbe herab.

Der gemeine Mann glaubt, der Teufel habe bei diesem Sturm den Stein herunter geschmissen, um die Ehre der H. drei Königen zu zernichten, und Gott habe ihm solches zugelassen; der Stein aber sey im Fallen von der graden Linie abgewichen. Man darf sich nicht befremden lassen, daß man dergleichen glauben können, da aus so vielen Pyramiden nicht ein Stein durch so viele jahrunderte über die heil. drei Könige herab gestürzet.«

Quelle: www.koelner-dom.de abgerufen am 09.02.2024


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