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Das verhexte Vieh
Edmund Veckenstedt: Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche
In Müschen wurde bei einem Bauer das Vieh krank. Da er vermutete, dass demselben etwas angetan sei, so schickte er einen Boten nach Raddusch zu einer klugen Frau.
Der Bote musste ihr alles berichten und sie bitten, dass sie, wenn es nötig sei, selbst kommen möchte. Die kluge Frau hielt es für nötig, den Boten zu begleiten. Sie schüttelte schon unterwegs oft mit dem Kopfe, indem sie dabei sagte: „Bei euch geht es recht schlecht.“ Als sie in Müschen angekommen war, ließ sie in den Viehställen dreieckige Löcher graben. Sie sagte, man werde beim Graben schon etwas finden. In dem Kuh- und Schweinestall fand man nichts, dafür aber desto mehr in dem Pferdestall.
Schon beim zweiten Stich stieß der Spaten an etwas, der Knecht rief sogleich die kluge Frau herbei, darauf grub er weiter. Man fand jetzt Topfscherben, Gänsefüße, Knochen, Haare, Hautstücke und noch manches andere.
Die kluge Frau befahl, man solle das alles zusammen nehmen und auf einem Kreuzweg nach Sonnenuntergang verbrennen. Der Knecht, welchem dies aufgetragen wurde, fürchtete sich sehr und fragte, ob er nicht noch vor Sonnenuntergang alles verbrennen könne? Die Frau willigte endlich in die Bitte ein. Sie versprach ihm auch, sie wolle alles fernhalten, was ihm gefährlich werden könne, wenn er sich nicht umsehe.
Darauf ging der Knecht auf den Kreuzweg, grub ein Loch, machte darin Feuer an und begann, als das Feuer hell brannte, das Ausgegrabene hinein zu werfen. Also bald sauste und brauste es im Feuer. Der Knecht aber sah sich nicht um. Darauf machte er sich auf den Heimweg. Auch jetzt sah er sich nicht um und so langte er ungefährdet zu Hause an.
Nach wenigen Tagen war das Vieh des Bauern wieder gesund.
Quellen:
- Gisela Griepentrog, Spreesagen, Verlag Berlin-Brandenburg 2016; Seite 240
- Aufgespürt und aufgeschrieben vom Radduscher Ortschronisten Manfred Kliche im Vettschauer Mitteilungsblatt 11/2019
