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Wie Rübezahl das Vertrauen belohnt - 2. Sage
So reisten auch einmal drei Schmiedegesellen über das Gebirge. Wie sie oben auf dem Rücken waren und ihres Weges fortgingen, bemerken sie auf der Erde bald Groschen, bald Dukaten, bald andere Geldstücke vor sich liegen. So oft sie aber danach griffen, bekamen sie nichts als einen Scherben oder sonst ein rundes flaches Steinchen in die Finger.
Darüber wurden zwei der Gesellen verdrießlich. Ohne sich ferner noch zu bücken, gingen sie mit Fleiß an solchem Blendwerk vorüber. Nur der Dritte, so oft seine Augen ein Geldstück wahrnahmen, griff ohne Unterlass danach und steckte es zu sich, bis er endlich die Taschen ganz voll hatte und sich wegen des unnützen Gerölls von seinen Gefährten verspotten lassen musste.
Als sie nun abends in die Herberge kamen, hießen sie ihn lachend den Schatz aufweisen, den er unterwegs gesammelt habe. Unverdrossen zog er ein Steinchen nachdem anderen hervor, gerade wie er sie eingesteckt hatte. Zuletzt aber fanden sich statt der Steine auch eine Menge Goldstücke, die seine Mühe reichlich belohnten. Darüber war seinen Mitgesellen alle Lachlust vergangen und hätte sich jeder um solchen Preis gern verspotten lassen wollen.
Quelle: Hermann Kletke, Das Buch vom Rübezahl, Verlag von Trewendt & Granier, Breslau, 1852
