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Der freigebige Rübezahl - 3. Sage
Nicht so gut erging es einem armen Mädchen, welches im Gebirge einen Zimmermann traf und ihn um eine Schürze voll Späne bat. Aber die Späne, welche sie leicht erhielt, waren nicht eben so leicht nach Hause gebracht. Nach einer Weile wurden sie ihr so schwer, dass sie das ganze Laub, welches sie zum Futter für das Vieh gesammelt hatte, wieder fortwerfen musste. Ein wenig weiter schien es ihr unmöglich, auch all die Späne nach Hause zu schleppen. Bei jedem Schritt warf sie etliche davon aus der Schürze, um sich die Last zu erleichtern, bis sie endlich, weil ihr der Rest immer noch zu schwer wurde, den ganzen Plunder ärgerlich auf die Erde schüttete. Als sie nun mit leeren Händen nach Hause kam und unter Tränen erzählte, wie die verwünschten Späne sie so arg geplagt hatten, sah der Bauer, bei welchem sie diente, auf ihrer Schürze was blinkern und glitzern. Das war aber ein Stück reinen Goldes. Sogleich schickte er das Mädchen zurück, um den Zimmermann wieder aufzusuchen; aber der Zimmermann und die Späne waren verschwunden.
Quelle: Hermann Kletke, Das Buch vom Rübezahl, Verlag von Trewendt & Granier, Breslau, 1852
