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Der freigebige Rübezahl - 2. Sage

Eine arme alte Frau, welche nach Kräutern und Wurzeln suchte, verirrte sich dabei im Wald. Da begegnete ihr der Berggeist in Gestalt eines Jägers, den bat die Frau, er möge ihr doch den rechten Weg sagen, damit sie rasch nach Hause komme und die Wurzeln zu Geld mache, denn sie habe noch kleine Kinder daheim, die schon etliche Tage kein Brot gegessen hatten.

Der Jäger entgegnete: »Die Wurzeln sind dir zu schwer, wirf sie weg. Ich will dir ein Laub weisen, das nimm und trage es in die Stad. Es wird dir mehr bringen als die schweren Wurzeln.«

Aber die Frau wollte nicht, sondern behielt ihre Wurzeln.

Da sprach der Jäger wiederum, indem er auf einen Strauch wies, von diesem solle sie Laub mitnehmen, das werde ihr nützlicher sein als die Wurzeln. »Streift Ihr auch von dem Laube ab und tut es in den Korb.«

Die arme Frau dankte und ging fort, dachte aber bei sich, Was soll dir das Laub? und schüttete es fort. Als sie nach Hause kam und die Wurzeln herausnahm, klebten noch etliche Blättlein von dem Laub am Korb, diese zeigt sie den Leuten im Haus und sagte, es hätte ihr solche ein Jäger im Wald gegeben, sie sollte sie mitnehmen. Während sie so davon redete, wurden die Blättlein alle zu Gold und war jedes Blatt ein Dukaten gewesen. Die gute Frau, in dem Glauben, sie wisse die Stelle noch wohl, wo sie die anderen ausgeschüttet hatte, ging hin und suchte, fand jedoch weder Ort noch Blätter. Wenn sie behalten hätte, was ihr der Berggeist gab, sie wäre eine reiche Frau geworden. So ist manchem ein Glück beschert gewesen, was er leichtsinnig wieder verscherzt hat.

Quelle: Hermann Kletke, Das Buch vom Rübezahl, Verlag von Trewendt & Granier, Breslau, 1852


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