<<< zurück | Bautzener Sagen | weiter>>>
Wie die Budissiner den Papst verbrennen
Am Abende Petri Stuhlfeier wurde in Budissin ein allgemeines Fest gefeiert, wobei der Winter als Strohpuppe mit Lappen, Bändern, Kränzen und einer Flachsperücke, abenteuerlich aufgeputzt, auf einer Stange durch die Straßen getragen und auf dem Protschenberge verbrannt wurde. Auf dem Markte wurden Freudenfeuer angebrannt, der Rector scholae durchzog mit seinen Schülern unter dem Gesange des Responsorium: „Petre amas me?“ die Gassen, gefolgt von dem Stadtrichter, dem Baumeister umd den Stadtdienern. Die Bürger stellten Lichter in die Fenster und gaben den Schülern Bier zu trinken. Sobald dann der Zug von der Wendischen Gasse durch das Fuchsgässel in die Reichengasse eingegangen, hat der Rektor aus dem Responsorium: „Simon“ das ganze Gäßchen langsam gedehnt und am Ende des Gässels die Worte: „Johanne diliges me?“ angehoben. Wenn sie auf dem Markt zum Feuer gekommen, hat der Schulmeister figuriert und gesungen: „jam ver oritur“ (jetzt kommt der Frühling). Viel Volk lief zu und dabei befanden sich auch Schüler, welche in Bauernkleidern oder sonst vermummt waren. — Als anno 1522, da schon Luthers Lehre gar sehr im Schwunge war und sonderlich in der Oberlausitz viele Freunde hatte, unter dem Bürgermeister Balthasar Lausnitz diese Zeremonie gehalten wurde, trugen ihrer zwei von den Verkleideten eine Stange, daran viel Ablaß- und Butterbriefe gehangen. Solche boten sie gegen jedermann feil, und da sie niemand kaufen noch annehmen wollte, warfen sie die Stange samt den Briefen ins Feuer, nahmen ihre Flegel und schlugen tapfer darauf, daß die Funken stoben. Sie sind darauf zum Lauentore hinausgegangen und niemand redete etwas dawider. — Des folgenden Jahres, 1523, bei der Regierung des Bürgermeisters Hieronymi Ruperti, ward abermals der Sommer wie sonst empfangen. Da geschah es, daß ihrer zwei sich, als Mönche verkleidet, einen Papst von Papier gemacht, ihn auf einer Tragbahre zur Reichengasse herausgeschleppt und auf dem Markte ins Feuer geworfen haben. Weil sie sich aber nicht zeitig genug davongemacht, wurden sie erwischt und in den Lauenturm gefangen gesetzt, bis der junge Herzog, des Landvogts Herzog Caroli Sohn, sie losgebeten und befreit. Die beiden hießen Weiß und Taschenberg und waren Baccalaurei an der Schule. — Da sich über solchen Vorfall die Päpstler beschwert, hat man Veranlassung genommen, die ganze Zeremonie abzuschaffen.
Quelle: Wikisource
