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Die Stadt- und Hauptkirche zu Guben

  Mündlich aus Guben

I

Wo die Gubener Stadtkirche steht, war früher ein Teich; in dem tauchte immer ein weißer Hirsch hervor. Da sagten die Leute, die Stätte wäre heilig und bauten eine Kirche dorthin.

II

Am Grunde des Ecktürmchens auf der Ostseite der Kirche findet sich angeblich ein Nonnenkopf und ein Ziegenkopf eingemauert. Dies soll zur Erinnerung an folgende Begebenheit geschehen sein: Als die Hussiten in Guben waren, flüchtete eine Nonne vor ihnen auf das Kirchendach und nahm sich eine Ziege und ein Bündchen Heu mit. Die Ziege fraß das Heu und nährte mit ihrer Milch die Nonne. Diese blieb solange in ihrem Versteck, bis die Hussiten wieder abzogen, und wurde so gerettet.

III

Auf der Westseite des Turmes sieht man drei Kreuze, die durch hellere Steine eingemauert sind. Zwei befinden sich dicht unter dem Kranze, das dritte etwa in halber Höhe des Turmes. Die Kreuze sollen zur Erinnerung an den Absturz dreier Arbeiter, der beim Bau an den betreffenden Stellen erfolgte, angebracht worden sein.

IV

Die namentlich an der Südostseite der äußeren Kirchenwand häufiger vorkommenden Rundmarken und Rillen sind in dem Hussitenkriege entstanden. Die etwa thalergroßen, aber auch kleineren Näpfchen, die sich in geringer Höhe über dem Erdboden befinden, wurden durch dort anschlagende Kugeln der Hussiten gebildet; die wenigen Rillen aber rühren von Schwerthieben dieser Feinde her.

Quelle: Niederlausitzer Volkssagen vornehmlich aus dem Stadt- und Landkreis Guben, gesammelt und zusammengestellt von Karl Gander, Berlin, Deutsche Schriftsteller-Genossenschaft, 1894


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