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sagen:289._das_wunderthaetige_marienbild_zu_rosenthal

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Das wunderthätige Marienbild zu Rosenthal

  Frenzel, hist. natur. III. 1334, 1384 msc. 
  Ticinus epit. hist. Rosenth. Schneider, Scrutinium hist. Lus. 8. v.

Es war ein Mann, der hatte eine unglückliche Tochter, die war auf beide Augen blind geworden. Da unternahm er mit seiner Tochter eine Wallfahrt nach dem wunderthätigen Marienbilde zu Rosenthal beim Kloster Marienstern und nahm einen Ochsen aus seinem Stalle und andere Geschenke für das Bild und das Kloster mit sich auf den Weg. Kaum hatten sie die Reise angetreten, da ward es heller und heller vor den Augen des Mägdleins und je näher sie zum Bilde kamen, desto besser konnte es sehen, und als sie ganz hinkamen, da war das Mägdlein gesund und konnte Alles sehen und dankte der heiligen Jungfrau. Da dachte der Vater: ist meine Tochter ohne die mitgebrachten Gaben sehend geworden, ei da wird die heilige Mutter Gottes auch nichts dawider haben, wenn ich meinen Mastochsen und die Kerzen und alles andere wieder mit nach Hause nehme. Und so geschah es. Aber siehe, des andern Tages war seine Tochter wieder blind wie vorher, und wurde nicht eher wieder sehend, bis der Vater den Ochsen zurückgeführt und dem Kloster ausgehändigt hatte.

Viele Andere hat die Mutter Gottes zu Rosenthal sehend gemacht, die vorher blind gewesen waren und ihr Kerzen, wächserne Figuren, lebende Thiere u. s. w. geweiht hatten.

Anmerkungen: Beide Klöster Marienstern und Marienthal sind kurz hinter einander gestiftet worden, jenes von Meißen 1264, dieses von Böhmen aus 1234, beide für Cisterzienser Nonnen. Marienstern ist sagenreicher als Marienthal. Aber beide haben mythologische Reminidzenzen. Beide sind in der Nähe heidnischer Opferwälte, jenes beim Dorfe Ostro, dieses beim Städtchen Dstritz gegründet, wahrscheinlich blühte an beiden Drten der Kultus der Ostara, die bei Ostritz als Frau Venus in den Berg ging. Ostara war auch Göttin der Liebe; Maria wurde die Beschützerin der Rosen. Zu beiden Klöstern gehören Dörfer mit dem Namen Rosenthal. Das Mariensterner Kloster heißt auch kurzweg das Rosenthaler Kloster.

Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862


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