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Der alte Fritz als Handwerksbursche
Mündlich aus Guben
Einmal hatte sich der alte Fritz als Handwerksbursche verkleidet und kam in ein Dorf zu einem Prediger. Da die Thür offen stand, guckte er in die Küche und sah eine gebratene Gans stehen. Flugs steckte er sie in sein Ränzel und wollte ebenso schnell damit verschwinden. Vor der Thür kam ihm der Prediger entgegen; aber der alte Fritz war unerschrocken und sprach: „Denken Sie sich einmal, unser kühner General Kioff ist nach Ränzelburg marschiert.“ Der Prediger sagte zum Handwerksburschen: „Kommt zum Mittagessen her!“ und der alte Fritz ging fort.
Als der Prediger in die Stube kam, sagte er zu seiner Frau: „Denke dir doch einmal, unser kühner General Kioff ist ja nach Ränzelburg marschiert; mir hat es ein alter Handwerksbursche erzählt!„ Dann sprach er zu seiner Tochter Olga: „Hole doch mal die Gans herein, der Handwerksbursche wird sich bald einstellen zum Mittagbrot!“ Und da das Mädchen in die Küche kam, fand sie die Gans verschwunden und lief weinend in die Stube zurück und rief: „Die Gans ist nicht mehr da!“ Nun ging dem Prediger ein Licht auf und er sprach zu seiner Frau: „Siehst du, der Alte hat es nicht so gemeint, sondern mit dem Kioff hat er die Gans gemeint, und diese ist in sein Ränzel marschiert.“
Solche Streiche machte der alte Fritz oft.
Quelle: Niederlausitzer Volkssagen vornehmlich aus dem Stadt- und Landkreis Guben, gesammelt und zusammengestellt von Karl Gander, Berlin, Deutsche Schriftsteller-Genossenschaft, 1894
