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Der Kessel mit Geld im See zu Zschiegern
I
Mündlich von Tischlermeister Schäffter in Zichiegern
Bei Zschiegern befindet sich ein See, der aber von Jahr zu Jahr immer mehr verwächst. Er ist ungeheuer tief; man hat schon mehrere lange Stangen zusammengebunden, ohne damit auf den Grund zu gelangen. In dem See liegt ein Kessel mit Geld. Der Schatz bildete eine Kriegskasse, die von einer der feindlichen Parteien, die sich umzingelt sah, versenkt wurde.
Nach einem abweichenden Bericht soll der Schatz durch einen Unglücksfall in den See gekommen sein. Soldaten fuhren nämlich über den See, als derselbe zugefroren war. Da brach die Eisdecke und Menschen, Pferde, Wagen und Geld versanken in die Tiefe.
Einmal war ein Bauer des Dorfes am See mit Grasschneiden beschäftigt. Da sah er das Geld spielen, und als er näher ging, fand er eine Kette am Ufer liegen. Er nahm sie in die Hand und wollte sie ganz herausziehen. Da bemerkte er, daß der Kessel an ihr befestigt war. So sehr er nun auch zog: er bekam ihn nicht ans Land. Er band jetzt die Kette an einem Weidenstrauche fest und wollte sich Hilfe holen. Als er mit seinen Freunden wieder zum See kam, war Kessel und Kette verschwunden, sogar der Weidenstrauch mit in die Tiefe gezogen.
Nach einer andern Erzählung brachte man alle Pferde herbei, die es in Zschiegern gab, und spannte sie an den Kessel. Da sie aber anzogen, zerriß die Kette gerade in dem Augenblick, als man den Geldkessel schon am Ufer hatte, worauf er dann wieder in die Tiefe schoß.
Einem zweiten Bauer, der den Kessel mit der Kette auch einmal am Seeufer fand, entfuhr, als er denselben ans Land ziehen wollte, ein Fluchwort, und das wurde die Ursache, daß der Schatz wieder im Wasser verschwand.
II
Mündlich aus Sachsdorf
Im See zu Zschiegern ist ein Kessel mit Gold und Silber versunken. Manchmal ist der Kessel an die Oberfläche gekommen, als ob er aus dem Wasser herauswollte. Wenn die Leute, die ihn sahen, schimpften, fuhr er wieder zurück.
Zwei Mädchen waren einst auf der Wiese am See. Da sagte die eine: „Sieh doch, Karoline, was hier kommt!“ Sogleich war der Kessel wieder verschwunden.
Ein andermal zeigte sich der Kessel einem Hütejungen. Als dieser aber auf seinen Ochsen schimpfte, fuhr er wieder ins Wasser zurück. Nachher ging der Knabe hin beten; aber der Kessel kam nicht mehr zum Vorschein.
Der Kessel soll bei Kriegszeiten an eine Eiche oder Birke angenagelt worden sein. Später ist der Baum umgefallen, gerade in den See hinein.
Quelle: Niederlausitzer Volkssagen vornehmlich aus dem Stadt- und Landkreis Guben, gesammelt und zusammengestellt von Karl Gander, Berlin, Deutsche Schriftsteller-Genossenschaft, 1894
