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Heinchen (Heinzelmännden), Jüdelchen, Luftchen.
Mündlich
Es giebt in der Niederlausitz fast kein Urnenfeld, das nicht als Wohnstätte der zwerghaften Erdelben bezeichnet würde. Allgemein werden die Thongefäße, namentlich die kleinen Tassen und Schalen, oder sonstige Fundgegenstände, die man aus der Erde zu Tage fördert, als das Hausgerät der kleinen Erdbewohner, der Unterirdischen, wie sie in anderen Gegenden Deutschlands heißen, angesehen; selbst die Scherben auf slavischen Rundwällen bringt das Volk mit diesen Erdgeistern in Verbindung.
Heinzelmännchen gab es in Bomsdorf. Sie waren so groß wie ein halber Arm, wohnten in der Erde, in Höhlen und Schluchten. Die Heinzelmännchen oder Heinchen haben in der Erde gewohnt, in solchen Häuschen, als wenn die Kinder im Sande Backöfen machen (Guben).
Die Heinchen wohnten auch im Heidenberge zu Haaso, im Borchelt und auf der alten Dorfstätte (Urnenfeld, Pfarracker) am Neißedamm in Groß-Breesen, im Burgwall zu Plesse, im Niebitzhebbel bei Buderose, auf dem Gräberfelde „grüne Eiche“ bei Schenkendorf, auf den Kunnigen in Grocho, als Heinchensleute auf dem Mühlberge in Strega, als Jüdelchen im Coschener Winkel zu Buderose, im Zimmerschen Hause zu Ratzdorf, wo sie immer für die Frau gekocht haben sollen, als Luttchen in den Hügeln am Reschpfuhl zu Bahro, in den sechs Hügelgräbern zu Treppeln, welche durch die Luttchen entstanden sein sollen, in den Luttchenbergen bei Fünfeichen, wo man manchmal schießen hört, bei Bethken Garten zwischen Henzendorf und Göhlen, im Luttchenberge zu Bremsdorf.
Quelle: Niederlausitzer Volkssagen vornehmlich aus dem Stadt- und Landkreis Guben, gesammelt und zusammengestellt von Karl Gander, Berlin, Deutsche Schriftsteller-Genossenschaft, 1894
