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Bauopfer
Mal bauten sie eine Kirche, und hatten sie dreimal hochgebaut, aber konnten sie nicht fertig bauen, denn sie fiel immer wieder ein. Da nahmen sie ein Kind und mauerten es lebendig ein. Das Kind war noch nicht ein halbes Jahr alt und hat gesprochen, ehe sie es eingegraben hatten. Und sie fragten: Was ist süsser wie Honig?« und das Kind sprach: »Die [der] Mutter ihre Titte [Brust]«. »Und sie fragten wiederum: »Was ist weicher wie »Sanft« [Sammt] und Seide?« und das Kind sprach: »Die Mutter ihre Schlipe [der Schoss an der Jacke]«. Dann mauerten sie das Kind ein, da stand die Kirche.
Ebenso war es mit einer Mühle. Sie »kriegten sie auch nicht zu stehen« und mussten ein Gesangbuch unter den vier Ständern [auf denen die Mühle steht] vermauern. Dann stand sie. G.-S. I, 64.1)
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 39.
