Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


maerchen:wendischesvolksthum51

<<< zurück | Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte | weiter >>>

Die Himmelseiche

Mal war ein armer Mann, der hatte so viele Kinder, dass ihm das Brot mangelte. Da kaufte er sich ein Viertel1) Eicheln (dubjanki) und gab sie den Kindern, und nur eine blieb übrig; die warf er in die Hölle. Da fing an von der Eichel ein Baum zu wachsen bis in den Himmel hinein. Nun kletterte der Mann auf der Eiche in den Himmel nach Brot. Und wie er auf dem Baume in den Himmel kam, klopfte er an das Thor und wurde gefragt: »Chto tam jo, wer ist da? Bogi cłojek wot wele žiśi, ein armer Mann mit grosser Familie«. Sanct Petrus sprach: »Lieber Herrgott, hinten in der Kammer sind noch ein paar alte Brote, gieb sie ihm«. Und sie wurden ihm gegeben und der Mann kam glücklich wieder nach Hause und die Familie freute sich, dass sie satt zu essen hatte. Wie sie alle satt waren, schickten sie den Mann wieder nach dem Himmel. Und er kletterte wieder hinauf und dachte: heute kriegst du Brot, morgen vielleicht Semmel. Und richtig, wie er oben ankam, sprach der liebe Gott: »Hinten steht ein Korb Semmeln in der Kammer«. Und er kam wieder glücklich nach Hause und alle waren sehr fröhlich, dass er Semmeln bekommen hatte, und schickten ihn wiederum nach dem Himmel. Und zum dritten mal kam er wieder hinauf, klopfte an und es sprach der liebe Gott: »Wer ist da? – Armer Mann mit vielen Kindern! – Za zuŕamì stoj dubowy knebel, Petre! rjagaj jogo, až wen lěta wot jeneje gałuzy na drugu. – Hinter der Thüre steht ein Eichenknüppel, Petrus! prügle ihn, dass er herausfliegt von einem Aste zum andern.« Wie er nun wieder herunterkam, fragte die Frau: »Was bringst Du heute, co ćinjesoš źinsa? – Bremje pukow, eine Bürde voll Hiebe«. – S.

Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 37


1)
Viertel Scheffel
maerchen/wendischesvolksthum51.txt · Zuletzt geändert: von 127.0.0.1