Vorwort
Während meiner Sammelei deutscher Sagen verschlug es mich im Sommer 2023 in die Sächsische Schweiz. Im Vorfeld bleiben meine Recherchen nach Sagenstoff aus dieser Gegend relativ unbefriedigend. Gut, die beiden Sagenbücher von Alfred Meiche, „Sagenbuch der Sächsischen Schweiz“ (1894) und „Sagenbuch der Sächsischen Schweiz und ihrer Randgebiete“ (1929), bieten dem Sageninteressierten eine Vielzahl von Sagen. Doch meiner Sammelleidenschaft ist es geschuldet, dass ich mich damit nicht zufriedengeben konnte. Gab es doch da die schier unüberschaubare Flut an Heimatsagen aus Nieder- und Oberlausitz auf der einen Seite und sagenhafte Orte, Felsen und Schluchten in der Sächsischen Schweiz, die doch so viel Stoff für Sagen liefern müssten.
Und dann brachte Meiche letztendlich nur einige unbekannte Sagen aus den „Randgebieten“ sowie seiner Heimatstadt Sebnitz als eigenen Beitrag in sein Buch. Die Mehrzahl der Sagen jedoch waren anderen Quellen, wie etwa dem „Sagenschatz des Königreichs Sachsen“ von Johann Georg Theodor Grässe entnommen. Dies soll jedoch keineswegs das Schaffenswerk von Alfred Meiche schmälern. Er hat zwei großartige Bücher geschrieben - nur reichten sie mir nicht aus.
Das Faß zum Überlaufen brachte jedoch eine nette Verkäuferin in einem Bad Schandauer Buchladen. Auf meine Frage nach Sagenbüchern der hiesigen Region schob sie mir das bereits mehrfach genannte Buch von Meiche über den Ladentisch und meinte zudem, dass sämtliche Sagenhefte der Region auf dem Inhalt dieses Buches beruhen. Spätestens an diesem Zeitpunkt war mir klar, dass hier viel Arbeit auf mich wartet.
Die kurze Zeit in der Sächsischen Schweiz nutzte ich fortan zur Suche nach besonderen Örtlichkeiten und deren Geschichten und erste Erfolge machten dann auch schnell klar: Das war ganz sicher nicht mein letzter Besuch dieser schönen Gegend.
Meine Sammelleidenschaft und das Fortführen meines Sagenarchivs im Internet jedoch wird in den kommenden Wochen und Monaten etwas hintenan stehen müssen. Es gilt nun auch die Quellen zu sichten, die Meiche, Grässe und viele andere nutzten. So zum Beispiel die „Geschichte und Beschreibung des churfürstlichen Amts Hohnstein mit Lohmen“ von Wilhelm Lebrecht Götzinger. Götzinger gilt als der Ersterforscher der Sächsischen Schweiz, also kann es nicht so verkehrt sein mit seinen Werken zu beginnen.
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