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Vorbemerkungen
Abgesehen von Ortsnamen und andern sprachlichen Resten, sowie von einzelnen Gebräuchen, sind von den einstigen sorbischen Bewohnern des Erzgebirges nur wenig Ueberlieferungen uns erhalten worden. Dies gilt insbesondere auch von den Sagen. Manche mythische Sagen tragen zwar noch unverkennbar das Gepräge ihres slavischen Ursprungs, aber nur zwei Sagen dieses Abschnittes, die vom Riesen Einheer und von Schwanhildis, gedenken auch der Kämpfe der Deutschen mit der slavischen Nation, über deren Wohnsitze in unserem Gebirge mir ebenfalls nur zwei dem Sagengebiete angehörige Überlieferungen bekannt geworden sind. Diese Armut hierher gehöriger Stoffe beruht jedenfalls auf dem Umstande, daß die Sorben einen doch nur vorübergehenden und teilweise nur geduldeten Wohnsitz in unserm Gebirge gefunden haben. Ebenso arm sind die Sagen von bergentrückten Helden und versunkenen Kriegern; sie besitzen teilweise einen mythischen Grund, teilweise gestalten sie sich zu bloßen Gespenster- und Spukgeschichten. Die Sagen von den edlen Geschlechtern endlich, welche aufgenommen wurden, wenn Glieder der letzteren in unserm Gebirge auf Gütern ansässig waren oder noch sind, leben nur in den chronikalischen Aufzeichnungen, obschon sie wenig wirkliche und urkundliche Begebenheiten enthalten. Im Volksmunde haben sie sich bei uns nicht fortgepflanzt, ja sie sind wohl kaum dem eigentlichen Volke aus den alten Schriften bekannt geworden, und so finden wir auch bei uns bestätigt, was die Brüder Grimm in der Vorrede zum 2. Bande der deutschen Sagen schreiben, daß sich nämlich die Sage um die seltsame Bildung eines Felsens dauernder, als um den Ruhm selbst der edelsten Geschlechter sammelt.
