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Heilkräuter (Schleife)

Die Blätter von boža mertra, Gottesgnadenkraut, gequetscht und der grüne Saft in Wasser genommen, ist sehr gut gegen Leibschmerzen, Kolik. Desgleichen hilft bóže dŕjowko1).

Brunine zele soll man gegen Bräune kochen und den Kindern als Thee, Schweinen als Saufen geben.

Butŕanicka wird zur Reinigung der Milchgefässe gebraucht.

Die Blätter von dobrotnik: klopfen und frisch auf Geschwülste legen.

Campf gut für schlimme Füsse.

Cyrkwine zele, Sadebaum: in Schränke und Läden gegen Motten thun.

Čertowe gowno, Teufelsdreck: gut für Vieh.

Čertowy wotkusk, Teufelsabbiss: gutes Milchnutzenpulver.

Cerwjene jagodowe zele. Die Beeren werden frisch gegessen, auch eingelegt; aus ihnen Preisselbeerschnaps gemacht (mit Wasser verdünnt gut gegen innere Hitze).

Braunnerdost ist gut gegen die Bräune der Schweine. G.-S.

Ćotkowe zele, Fieberkraut, gut »für« allerlei Fieber.

Dornjacna = paprotka: gutes Viehpulver.

Gójawka: auflegen auf frische Stich- oder Schnittwunden, wenn man nichts zum Verbinden hat.

Jandźelske zele: zu Salbe gebraucht.

Jichtna rěpa, Gichtrübe.

Kokordac: die rothen Körner mit Schale werden gegen die Gelbsucht (žołćenica) gekocht und eingenommen.

Kokoški dient als Mittel zum Abtreiben der Frucht und wird von Mädchen gekocht getrunken.

Kosćiwadło, Schwarzwurzel. Von der Wurzel eine sehr gute Salbe: auf Glieder zu legen, bereitet.

Wenn das Vieh Kolik oder Blähung hat, aus krejowe zele, grün oder getrocknet: Knäuel (Kaulen) machen und ihm in den Mund stecken. Das ist so gut wie Bergöl.

Die Wurzeln von krowina hopyš, Kuhschwanz, gekocht: gut gegen Durchfall.

Metwej, »Minze«: mit Eiern gebraten gut gegen Durchfall.

Mjodlicka: gutes Viehfutter; von der Blüthe ein guter Gesundheitsthee bereitet.

Muskjace rožowe zele: der Saft gut gegen Mutterplage oder Kolik.

Perchawica [perchać prusten] stillt das Blut bei Wunden, auch auf der Zunge (z.B. bei Bissen), auf die man kein Pflaster legen kann.

Podresćowe zele: gut gegen den bösen Anblick beim Vieh.

Ruta, Raute, grün mit Eiern gebraten: das beste Mittel gegen Durchfall (wenganjańe).

Rozkornik Hauswuchs: sehr gut gegen inwendige Hitze bei kleinen Kindern.

Rozraz: guter Hustenthee.

Die Blätter von sćerń [i. Musk. Mundart wóstruž] Dorn: auf erfrorene Glieder legen.

Škorodłicka: gekocht gut gegen Husten und Brustschmerzen.

Štaćowe zele: gut gegen den Anblick bei Menschen.

Die Blüthe von stroželinowe zele Schreckkraut: verbrennen und kleinen Kindern eingeben, wenn sie in Folge von Schreck nachts im Bette aufspringen, auch gutes Nutzenpulver.

Legt man von syće [B. syše] das Mark2) frisch auf »wildes Fleisch« (in Wunden); so ist dasselbe über Nacht weg.

Šyra žalbija: gutes Viehpulver.

Žeńscyne rožowe zele weibliches Rosenkraut: sehr gut gegen die Mutterplage.

Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 105-107.


1)
Schleife: čertowy štómik [Teufelsstamm] auch borbus genannt, bringt, wenn es an Getreidefeldern steht, den Brand, (schwarz an den Aehren; nicht der Rost an den Halmen. Śebjeg, Brandfleck im Getreide, kommt von der unteren Muttererde, wenn viel Kies oder schlechter Mutterboden vorhanden ist. Mužina ist eine Stelle im Boden, wo es besser wächst (guter feuchter Boden). Haderik, Hederich: gute Honigpflanze für Bienen. Cerne jagodowe zele werden gegessen; desgl. gebraten: kuretko, »Kuretel«, Hühnchen heisst so: »weil viel kleine um eins herumstehen;« kroẃecowe hume [Kuheuter]: weil die Wurzel so aussieht. Kolej, Kule, Knerig: als Viehfutter gesäet. Muskjaca wutroba, Mannesherz, hat Blüthen wie ein Herz. Myšyne crjowo: Vogelfutter (Kanarienvögel, Stieglitze.) Psowodźica (Burg psowica) Schiessbeere, wird »ausgehauen« und nach Bautzen zu Schiessholz [Pulverbereitung] geliefert; beste Nahrung für Bienen, »blüht 7 mal im Sommer«. Późernja fressen die Hirsche viel. Rjos: Bienennahrung; bei Mangel auch als Viehfutter verwendet. In den Blüthen des šmrjok »finden die Bienen im Frühjahre Nahrung«. Wělk frisst die Dielen unten an, daher: Wolf. Wuškropc: beim Bau steinerner (Zieh-) Brunnen (studnja) zwischen die Steine gelegt, damit der Sand von aussen nicht hindurchdringt. Flusowe zele, Epheu, zwischen die Steine der Ziehbrunnen, von Mauersteinen, gepflanzt. Bageń (»Sauerampfer«) [in Burg: hampuch »Sauerampfer«]: gegen Flöhe in die Betten. Wenn Kinder im Winter sterben, bekommen sie Kränze von berwjónk, weil man kein anderes grünes Kraut hat; ebensolche werden auf den Sarg gelegt. Auf bogowe jabłuška [Hagebutte] werden Rosen geäugelt. Žołta wěrba: ein Zweig von derselben kann zur Wünschelruthe genommen werden, wenn er in einem Jahre zwei Reiser noch treibt. Die Distel [Onoporidon Acanthium L.] heisst khrystusowa krona, Christikrone. Płonušk, Feldkümmel, hat seinen Namen, weil er auf freien Flecken wächst [płoń freier Fleck, in B. gespr. poń]; gut für die Bienen. Pećpalcatezele Fünffingerkraut [? Wurzel, die manche bei sich tragen], die Blätter haben 5 Finger. Čertowe hoblico Teufelsangesicht. Die Körner haben Aehnlichkeit mit dem čert, auch ein Horn, jeden róg.
2)
Das getrocknete (weisse) Mark der Binse wird zu Kränzen, und Gewinden (z.B. in der Kirche) verflochten. B. S.