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Wenn Hunde in der Umgegend heulen, bedeutet es Feuer. B.
Wenn ein Hund heult, stirbt jemand. S.
Wenn früher der Nachtjäger [S. 61] auf einen traf, musste der ihm etwas versprechen und verschreiben: Hund oder Katze. Das Thier musste alle Nächte mit ihm jagen, bis es todt war. S.
Wenn ein Hase1) in das Dorf kommt, giebt es Feuer. B.
Wenn früher dumme »Hirtenjungens« Versuche gemacht haben und wollten sich an der Peitsche oder an einem Faden aufhängen, und einer hatte sich die Schlinge um den Hals gelegt, so haben die anderen einen lahmen Hasen auf drei Beinen laufen sehen. Die liefen dem nach und liessen den in der Schlinge. Der Hase war also der böse čert. S.
Cogodla wuchac do Jana źenog' kału ńežeŕo? Warum frisst der Hahn bis [»in«; wendisch do = in] Johanni keinen Kohl? – Do bŕucha źeŕo, in den Bauch frisst er ihn. S.
Cog'dla wuchac na góřu ženo? Warum läuft der Hase auf dem Berge? – Dyby spóde mogł, da ńeby čez nju gnał, wenn er unten gekonnt, wäre er nicht [oben] über ihn gelaufen. S.
Dy tomu wuchacoju zuby bóle? Wann thun dem Hasen die Zähne weh? – Dyž jogo ten pjes kusa, wenn ihn der Hund beisst. S.
Die Katzen sind nicht alle wirkliche Katzen, in viele sind böse Menschen verwandelt. Mal kam eine Katze zum Nachtwächter im Dorfe Blankenfelde und ging immer mit ihm mit. Dann hiess er sie fortgehen, aber sie ging nicht fort. Zuletzt wollte er sie mit seiner »Lanze« [Hellebarde] fortstossen, da schrie die Katze gar sehr und es kamen viele andere Katzen, »über die Massen« viele und kratzten ihn so zu Schanden, dass er gestorben ist. I. 258.
Wir sind auch immer als Kinder gewarnt worden: eine Katze soll man abends nie ansprechen oder werfen. Nachts läuft oft eine Katze hin und wieder vor den Pferden. Das ist nichts gutes. Dann spitzen die Pferde die Ohren, denn sie wissen es schon eher [als der Mensch].
Auch wenn Katzen »so« [sehr] schreien, geschieht Unglück. G.-S.
Das Wiesel (łasyca), es giebt doch weisse und rothe, soll man laufen lassen, sonst »blasen« sie einen an. Dann bekommt man einen schlimmen Fuss, oder sonst etwas schlimmes, da wo sie gerade herankommen. G.-S. S.
Beim Kartenspiel soll man eine Fledermaus2) in der Mütze haben, dann hat man Glück. S.
Die Kinder rufen der Fledermaus nach:
»Pyr, pyr, njedopyŕ!
Kožanym kabaćiku.
Na sćěnje, na gózdźiku.
Pyr, pyr, Fledermaus!
In der ledernen Jacke,
An der Wand, auf dem Nagel.3)« S.
Der Kranich, žorawa,4) ruft:
»Juro! Trina!
Nogi śćipa.
Juro! Trina!
Es kneift5) mich an den Beinen.«
Der Storch, bóšon, spricht, wenn er wegzieht:
»Moja, mi je zyma.
Nu ćanu fort,
Do Ameriki, haj!
Meine,6) mir ist kalt.
Nun ziehe ich fort,
Nach Amerika, haj7)!«
Wenn die Störche (baćon) im Frühjahre kommen und durchziehen, so kreisen sie in der Höhe über manchen Häusern und wo sie das thun, sagt man: »Hier wird in diesem Jahr die Hochzeit sein«. S.
Von der wilden Gans singen die Kinder beim Spielen:
»Witře buźo sobota
Zarězachmy kokota.
Přileśeła jana źiwa gus,
Popanuła sebe ten tucńejšy kus.
Leśeła na wiki,
Kupiła sebe jabriki.
Leśeła za pjac,
Kupiła sebe klapac.
Leśeła do błota,
Tam se šykne zbobotu.
Morgen wird Sonnabend.
Wir schlachteten einen Hahn.
Flog vorbei eine wilde Gans,
Nahm sich das fettste Stück.
Flog auf den Markt.
Kaufte sich eine Leiter.
Flog hinter den Backofen,
Kaufte sich einen Hammer.
Flog in den »Busch«8),
Da tummeln sich alle«. B.
Sie ruft: »Kogok, kogok«.
Wenn der Hahn, kokot,9) auf der Schwelle kräht, giebt es – Besuch. B. – Regen. S.
Wenn dreimal hintereinander auf der Schwelle: ist Veränderung im Hause, stirbt jemand oder ist sonst etwas. Der Hahn schreit immer Unglück. Preilag.
Wenn eine Henne kräht: Unglück.
»Při lubce som ležał,
Při lubce som spał,
Dyž kapon je spěwał,
Da dómoj som gnał.
Bei der Liebsten hab' ich gelegen,
Bei der Liebsten hab' ich geschlafen.
Wie der Hahn hat gesungen,
Da bin ich nach Hause gegangen.« S.
Wenn die »grosse Eule«10) einem um das Haus fliegt, bedeutet es einen Todesfall. S.
Die Krähe (»karona«) schreit: »Quark, Quark [twarog Käse, Zwerch].« B.
Im Sommer singt sie:
»Ničo nawukła
Hač to wil'ke A
A ńej' ći sromota.
Hast nichts gelernt,11)
Als das grosse A
Und schämst Dich nicht.«
Im Winter singt sie: »Špek12) tučny, tučny. Speck, fett, fett.« Neustadt.
Wenn einer sich im Winter die Hosen abzieht und die Krähen finden es, so sagen sie:
»Schöner Papp, schöner Papp, schöner Papp.«13) S.
Gerwona woła: »Dreck, Dreck, Dreck«, oder »Kwark, kwark, kwark«, oder »Kwatk, kwatk, kwatk«, oder »Halb Schock, halb Schock, halb Schock«. S.
Die Taube, gołba, spricht: »Sei gnädig, gnädig«; dann sagt der Täuberich: »Waŕ muku, waŕ muku, kulki nic. Koche Mehl, koche Mehl, Kartoffeln nicht.« Neustadt.
Die Wachtel, pašpula, singt: »Paćpulać. Patschbulatsch.« Neustadt (?).
Die pačpula: »Pačpula, pačpula, pačpula«. S.
Oder: Pušć mě nutř, Lass mich 'rein«. B.
Oder: »Přiśiskuj«. B.
Der Kiebitz, kibut, spricht:
»Koc blut, kibut!
Kak mi nohi wozybje.
Kotz Blut, Kiebitz!
Wie mir die Beine frieren.« Neustadt.
Oder: »Kiwic, kiwic.« S.
Die Schalelster, sróka, Pica caudata singt:
»Forman jědźo zejsy
Wójo stoji dojsy.
Der Fuhrmann fährt aus dem Dorfe Die Deichsel steht nach dem Dorfe«.14)
Sie lacht immer: »Hä, hä, hä, Abtryće srał [sradli]. Hä, hä, hä, In den Abtritt [sralnja] geschissen«. S.
Wenn der Kuckuck, kukawa, die erste »Mandel«15) sieht, darf er nicht mehr schreien. Schreit er aber, so giebt es ein theures Jahr; danach wird er ein Raubvogel.
Der Kuckuck spricht: »Kuckuck, Kuckuck, Hast mich gesehen«. Oder auch: Kukuk, suknju kupić budu, Kuckuck, werd ein Röckchen kaufen.« Neustadt.
Die kokuła: »Kukuk, kukuk, kukuk«. S.
Gaž małke źiśi se źeru, ga luźe grońe: »Te se źeru16) tak ak kabija.« – Wenn kleine Kinder schreien, so sagen die Leute: Die schreien so wie der Holzschreier [Garrulus glandarius].« B.
Der Wiedehopf, hupak, [Upupa Epops] spricht:
»Hup, hup, hup na duby.
Na dubje hupakej so lubi,
Na kwas nowu suknju ma,
Hdźe moja žona?
Hup, hup, hup auf die Eiche.
Auf der Eiche gefällt's dem Wiedehopf,
Auf der Hochzeit hat er einen neuen Rock.
Wo ist meine Frau?« Neustadt.
Hupac: »Hup, hup, hup, hup.« B.
Die Amsel, kós [Turdus merula] spricht:
»Aj, aj, aj!
Kak renje možu ja spiwać
A šycke ptaški přehłušam!
Ai, ai, ai!
Wie schön kann ich singen
Und alle Vögel übertäube ich.« Neustadt.
Der Pirol, łucija spricht:
»Lucija, pójź do gribow! –
Ja ńamam źenej' kobele!
Luzija, komm' in die Pilze! – Ich habe keinen Kober.«
Oder er ruft:
»Lucija, pój do hribow! –
Ja nimam kobjele!
Dźi k susodej požčić. Njechašli hić, da wobliž mi rić!
Luzija, geh' in die Pilze! –
Ich habe keinen Kober. –
Geh' zum Nachbar borgen. Wenn Du nicht gehen willst, so leck mir den Arsch«. Neustadt.
Oder: »Jurko [Jürgechen] pój do gribow!« S.
Der Staar, škórc spricht:
»Teck' [decke], teck' Tisch,
Teck', teck' Tisch.
Die Herren werden zu Gaste kommen.
Přikrywajće blida, kńeža budźa hosćo přińć.« Neustadt.17)
Die Nachtigal, syłojk, singt:
»Du, Du, Du, wolltest mich nur fangen,
Und, und, und kriegtest mich nicht.
Jetzt, jetzt, jetzt hast Du mich,
Was, was, was nutzt es Dich,
Dass Du mich gefangen hast?« B.
Oder:
»Du, du, du, willst mich fangen
Und kriegst mich nicht.« S.
Wenn man Schwalbennester abschlägt, giebt es Schaden am Vieh. B. Wenn man Schwalbennester in Kuhställen zerstört, melken die Kühe Blut. S.
Mit den Nestern der jaskolicki18) [Rauchschwalbe, mit rother Kehle, Hirundo rustica], die in Gebäuden ihre Nester bauen, soll man gegen Zauberei den Stall ausräuchern.
Wenn einer will, dass ihm die Sechser nicht »alle« werden (ausgehen), soll er im Viehstall ein Schwalbenei heimlich aus dem Neste nehmen, dasselbe kochen und es heimlich wieder ins Nest legen. Die Schwalbe darf aber inzwischen nicht auf dem Nest gewesen sein. Wenn nun die jungen Schwalben ausgebrütet sind, bleibt das gekochte Ei liegen. Weil aber die Schwalbe immer ihre Eier ausbrütet, so holt sie ein besonderes Stückchen Holz und legt es zu den Eiern, damit das gekochte Ei »auskommen« soll. Dasselbe Stück Holz soll man nehmen und in den Geldbeutel (móšnicka) thun. Dann fehlt einem niemals Geld, man hat immer Sechser darin. S. Auch gegen Lerchen, [škobŕonk] soll man gut sein.
Die Lerche singt:
»Wušej lěćim, wušej lěćim,
Dalej widźim.
Je höher ich fliege, je höher ich fliege,
Je weiter ich seh'. S.
Das Rothkehlchen, ročk [Sylvia rubecula] singt:
»Muchi popadać,
Muchi popadać.\\
Fliegen fangen.« Neustadt.
Ein Rothschwänzchen, šwick [Silvia tithys] sass mal im Strauche und ein Mann war auf dem Schaffot. Der sollte gehängt werden und das »Gericht« stand herum, denn er war zum Tode verurtheilt. Da sah er: das Rothschwänzchen hatte ein Nest und sieben Junge darin. So sprach er:
»Hoch, hoch, stehe ich,
Sieben Junge sehe ich.
Könnt Ihr's nicht erdenken,
Sollt Ihr mir mein Leben schenken.«
Nun sollten die Herren rathen, was die sieben Jungen bedeuteten, aber sie konnten es nicht errathen. Da hiessen sie ihn sagen, was es bedeutete, das Leben sollte ihm auch geschenkt sein. Da sagte er es und wurde freigesprochen. (Buch?) B.
Der Finke, zyba [Fringilla coelebs] singt:
»Tři, tři, tři, dobrejćo,
Tři, tři, tři, tři rejćo.
Tschi, tschi, tschi, guten Morgen,
Tschi, tschi, tschi, tschi, reitscho. B.
»Tři, tři, tři,
Ty sy moju sotřičku zabił.
Du hast mein Schwesterchen todtgeschlagen.« Neustadt.
»Ty, ty, sy moju sostricku bił. Du, Du, hast mein Schwesterchen geschlagen.«
oder: »Cogodla sy ty moju sotričku bił? Warum hast Du mein Schwesterchen geschlagen?« S.
Die Pumpelmeise, sykora [Parus coeruleus] singt:
»Přićiskuj, přićiskuj, Wirf heran, wirf heran.« Neustadt.
»Čin, čin, čin, ćarara,
Pocycaj barana,
Styri gjance twaroga.
Tschin, tschin, tschin, tscharara,
Zitze [sauge an den Zitzen] den Bock,
Vier Töpfe Quark.« (?) Burg.
Die [weisse] Bachstelze, bèła śpliška [Motacilla alba]:
»Ćerić, ćerić, ćerić Grab durch, grab durch, grab durch.« S.
Der Grünschling, śnarl [Emberiza citrinella] singt:
»Heli su małke khlěby. In der Hölle sind kleine Brote.«
oder: »Z ćym, z čym ta holčka sći? – Womit, womit segt das Mägdlein?«
oder: »Kak te žowća rědnje spije! Wie die Mädchen schön schlafen.«
oder: »To šo janak [Das ist alles eins], Butter und Käse ist mir nischt.« Burg.
Pfeift im Winter [zymje ćyrka]: Bur chyć kłos! Bauer wirf eine Aehre zu!«
Im Sommer: »Kněz, třinjes štryk, B'dźomy bura wobjesyć. Herr, bring' einen Strick, Wir wollen den Bauer erhängen.« S.
Der Sperling, wrobel [Passer domesticus], spricht im Sommer:
»Čert! čert! bura wobjesyć.
Teufel! Teufel! den Bauer hängen.«
Im Winter:
»Bur, kłosk, bur, kłosk.
Bauer, 'ne Aehre, Bauer, 'ne Aehre.«
Oder im Herbste, wenn die Scheunen voll sind:
»Korn [ist] Dreck, Korn Dreck.«
Im Winter, wenn er nur Schmutz findet:
»Schön Papp, schön Papp.« Neustadt.
»Robel, bobel,
Ćiju ćał,
Copłe kulki žrał.
Sperling, bobel,
Tschiu, tschau.
Warme Kartoffeln [hab' ich] gefressen.«448 S.
So lange die Frösche vor Mariä »quarren« (oder vorkommen), so lange liegen sie nachher still [im Schlamm]. B.
Wenn man im Frühjahre die erste »Padde«449 auf dem Trocknen sieht, so ist es gut, wenn auf dem Wasser, so muss man viel weinen. G.-S.
Die zmija ist ein giftiges Thier, ungefähr wie eine Flachskeule (womit man den Flachs klopft) und fällt mit dem Regen herunter. Bei Zakazń (Schmogrow) ist eine mit dem Regen heruntergefallen und hat sie einer geschossen, da ist sie auseinandergeflogen, so viel Gift hat sie gehabt. Spreewald. I. 265.
Die Aale paaren sich mit Schlangen. Neustadt.
Aale (hugor, wugor) gehen in warmen dunklen Nächten über Wiesen in die Erbsen. Streut man dann Asche in das Gras, so können sie nicht zurück und man kann sie fangen.450
Aale balgen [begatten sich] mit den Schlangen. G.-S.
Aale paaren sich mit Schlangen. Sie gehen an einem bestimmten Tage im Jahre in die Erbsen, gerade wie auch die Krebse an einem bestimmten Tage aus dem Wasser kommen und ans Land gehen. Wenn dann die Aale in den Erbsen sind, so soll man die Wiese »umpflügen451, dann können sie nicht wieder in das Wasser zurück. Heiligensee.
Zum Marienwürmchen, słóńcko [Coccynella] sagt man:
»Słónčko, słónčko, lěć, lěć, lěć,
Hdźež ty polěćiš,
Tam ja k lětu poćahnu.[158]
Sonnchen, Sonnchen, fliege, fliege, fliege.
Wo Du hinfliegst,
Da ziehe ich zu Jahre hin.« Neustadt.
Słónčko, lěć, lěć, lěć.
Hdźež ty polěćiš,
Tam ja krówu pohanju.
… Da werde ich die Kuh hüten. Riegel.
Das Himmelpferdchen [słuncko] nimmt man auf die Hand und sagt:
»Himmelpferdchen, flieg fort,
Flieg in Dein Häuschen,
Deine Kinderchen schreien miau, miau. (wo?)
Oder:
Słyńcko (słynjaško) leć, leć,
Twoj dom se pali
… Dein Haus brennt.« –
Man nimmt słyńawko auf die Hand und fragt:
»Dźo ja za lěto poćahnu?
Wo werde ich über's Jahr hinziehen?«
Dann fliegt es weg, und wo es hinfliegt, muss man hinziehen. –
»Käferlein, flieg, flieg,
Dein Vater ist im Krieg.
Mutter ist in Pommerland,
Pommerland ist abgebrannt,
Käferlein flieg«.452 S.
Wenn einem manchmal słyncko von selbst auf die Hand kommt, und man sagt dann:
»Słyńcko, słyńcko, lěškaj domoj.
Twoja budka se pali.
Žiśetka su ognju.
Sonnchen, Sonnchen, flieg nach Haus',
Dein Häuschen brennt,
Die Kinder sind im Feuer,«
»dann fliegt es weg. Das denkt dann, es ist wahr und fliegt darum fort.« B.
Die Herrgottsvöleken453 [auch Marienwürmchen] sind »unserm Herrgott seine besten Vögel,« denen soll man nichts thun.
»Herrgottsvöleken, fle454 fort,
Din Hüsecken455 brennt an,
Die Engelken schreien vo sehre456.« G.-S.
Kinder sollen dem [»Schmidt«]457 tkalc (Weber) [verschiedene Arten von Elater] und dem [»Schneider«] (in Burg: pawk, Arten von Opilio, z.B. Phalangium cornutum) nichts thun. Wendisch oder Deutsch?[159]
Wenn ein Bienenvater todt ist, soll man dreimal an den Bienenstock klopfen und sagen:
»Cółki, wy njedrićo forthyć,
Waš góspodaŕ dźo458 fort.
Bienchen, Ihr sollt nicht fortgehen,
Euer Wirth geht fort.« S.
Wenn der Wirth vom Hofe getragen wird, soll man sagen: Cółki, cółki,459 stawajćo [bydźćo munter] waš góspodaŕ jo njebogi, ten orduju fortwjezony, njět som jo waš góspodaŕ. Bienchen, Bienchen, steht auf, Euer Wirth ist todt, der wird fortgetragen, jetzt bin ich Euer Wirth.« Und ebenso zum Vieh: »Skóćeta, skóćeta, njět wordujo waš góspodaŕ fortwjezony. Vieh, Vieh [»Viehzechen«], jetzt wird Euer Wirth fortgetragen.« S.
Wenn ein Mädchen die Liebe eines Mannes haben will, so soll sie die Eier von einer Spinne (pawk) nehmen und sie ihm am Halse ausdrücken, und so wie die Spinne auf den Eiern ist, so muss der Mann auf »das« [dem] Mädchen sein460. B.
Die Spinnen tragen grosse Eier461 am Hintern. Wenn davon ein Mädchen, die einen Liebhaber462 haben will, eins nimmt, so kann sie sich damit einen heranlocken, wenn sie es versteht.[160]
Man sagt von »Spinnweben, die an der Stubendecke hängen: »Sieh' mal, wie da die Freier hängen«, und wenn eine Spinne ankommt:
»Spinne, Du eh' [frühe?]
Bringst mir Glück, so steh',
Bringst mir Unglück, so geh.« G.-S.
Wenn man glucne wacki463 [Glückskäferchen, mehrere Arten von Hydrometra]464 mit der linken Hand fängt und sie in den Geldbeutel (mošyna) oder in die Tasche (kapsa) steckt465 und bei sich trägt, so bringt es Glück. B.
Den hogńece waki (Feuerkäfer) soll man nichts [böses] thun und sie nicht quälen, denn sie rächen sich, sondern sie gleich todt machen, damit sie nicht ins Haus kommen. Thut man ihnen etwas, so schleppen sie irgendwo Kohlen hin, dass es anfängt zu brennen. Vorn am Kopfe baben sie ein Paar Gabeln [Geweihe], darauf tragen sie die Kohlen.466 B.
Dyž tog'medwedźa zkóncujo, ma dźeweć grěchow meńej. Wenn man den medwedź [Gryllotalpa vulgaris, Maulwurfsgrille] todt macht (tritt), hat man neun Sünden weniger. S.
Einem lebenden [Rietwurm]467 soll man den Kopf abbeissen und dann ausspucken, das hilft gegen Zahnschmerz? B. oder G.-S.
»Šliž, šliž, pokaź ty te twoje štyri rožki, Schnecke, Schnecke, zeige Du Deine vier Hörnchen« sagen die Kinder, wenn sie eine Schnecke antreffen, die kriecht.
Oder:
»Schnecke, Schnure, zeig Deine vier Fingerchen raus.
Wenn Du das nicht thust,
So schmeiss ich Dich in den Graben,
So fressen Dich die Raben.« S.
Wenn abends oder bei Tage ein Schmetterling468 in der Stube umherfliegt, so sagt man: »Chodota« (Hexe), greift zu und macht sie todt. S.
Wenn abends ein [Nachtfalter] in die Stube kommt: »Da fliegt 'ne Hexe 'rum«. Gross-Döbern. S.
Wenn die Mücken pšyca469 angeflogen kommen, so singen sie: »Ich wer' Euch schon finden« und haben sie sich vollgesogen, so sagen sie: »F … u … i« [recht lang gezogen]19). B.
»Za našym pjecom kuntorazy graje,
Cerẃone, zelone kabaćiki maje.
Hinter unserm Backofen spielen die Mücken,
Haben rothe, grüne Jäckchen an.« S.
448 Der Rohrsperling, rokeśinaŕ [Sylvia turdoides] singt: »Kaddl, kaddl, kick, kick, kick; der Grünschling: »Bur! Bur! lat mi in dien Schün [Scheune]. Wenn ick 'ne Sichel hätt', wollt' ick mit schnie'n [schneiden].« Scharfenberg.
449 »Padde ist eine furchtbar grosse Kröte.« Gross-Döbern. – Eidechse, jašćor [Lacerta] heisst nach Bolle bei Heiligensee: Artisse [nach Handtmann-Seedorf: Antisse], kleine Erdsalamander: Rühle.
450 Ueberall unter den Wenden, wie sonst in Deutschland.
451 D.h. mit dem Pfluge eine Furche um den Acker ziehen.
452 So in Pommern und der Mark auch vom Maikäfer [Melolontha vulgaris], pud, gesagt: »Maikäfer fliege u.s.w. – Marienschäfchen in Tamsel (Cüstrin).
453 Johanniswürmchen [Lampyris splendidula] dort Feuerwurm; niederw. janowy hužeńc, oberl. w. janska wačka.
454 Fliege.
455 Dein Häuschen.
456 So sehr.
457 Dieser Käfer [sehr viele Arten] ist dadurch hauptsächlich bekannt, dass er, auf den Rücken gelegt, in die Höhe [»sich knipst«] springt. [šprinkawa in B. sprinkac S.] Die Schneider, beim Volke: Spinnen, sind uneigentliche Spinnen.
458 Oder jědźo fährt. Jämlitz.
459 Zu Burg (Spreewald) hört man sagen: »Kaspaŕ, cołki lěše Kasper die Bienen fliegen,« und »welche den Namen Kaspar haben, ärgern sich darüber.« Als früher Sachsen noch an Burg angrenzte, war Kaspaŕ Mešk (Wende auf der Chmělišća) Zolleinnehmer, ein »vornehmer« Mann. Seine Nachbarin hatte Bienen. Die wollten schwärmen, wie sie einmal allein zu Hause war. Zufällig ging der alte Kaspar vorbei, sie rief: »Kaspaŕ cołki lěše.« Aber der sah sich nicht um, ging weiter. Später schmälte sie, dass er ihr nicht geholfen hätte. Da sprach er: »Hättest Du gesagt: kněz (Herr) Kaspaŕ, so hätte ich Dir geholfen.« Daher die Redensart.« In letzterer Zeit hat die wendische Bienenzucht, wegen Mangel an Bienennahrung, sehr abgenommen, aus verschiedenen Gründen, z.B. Niederhauen der Forsten, »Ausroten« verschiedener Sträucher und Bäume, ungünstigen Jahren u.s.w. Auch fehlt die Lust dazu, denn sie bringt nicht viel ein. S. S. 22, lies: der Weiser brütet sich in 12–18 Tagen aus.
Das Honigbier mjodowa brěcka (Burg: patowki) wird, wenn die Wachsscheiben ausgekocht (Auskreschen der Scheiben. B.) werden, aus dem Wasser mit den Honigresten bereitet. Die obenschwimmenden Wachstheile werden abgeschöpft; die Masse zu weiterer Klärung mit Hefen versetzt und auf Flaschen gefüllt, muss dann »abstossen« (die Unreinigkeiten). Dann werden die Flaschen fest zugepfropft. So muss das Bier etliche Tage stehen und kann dann getrunken werden. Es schmeckt gut und ist sehr erfrischend, hält sich aber höchstens 14 Tage.
Das Wachs wird gepresst und an Händler verkauft, der Honig für schlechtere Zeiten aufbewahrt, wenig gegessen, etwas zu Kuchen verbraucht.
Patowki heisst auch ein Fruchtbier. Abgekochte und abgebackene Mohrrüben (die dazu aufgezogen auf Schnüren, namentlich früher, an den Häusern hingen) werden mit Backbirnen und -Pflaumen in einen Topf geschüttet, gekocht und gepresst. Dann thut man Hefe hinzu und lässt die Masse gähren, welche darnach auf Flaschen gefüllt wird. B.
460 D.h. sie so innig lieben.
461 Gemeint: das die Eier umhüllende Gespinnst.
462 Nicht ernstliche Freier.
463 Wacka Käferchen, Würmchen.
464 Teichläufer, z.B. Gibbifera Schomel in Schlesien, odontogaster bei Berlin häufig.
465 Dieser Gebrauch war früher unter Kindern sehr allgemein.
466 »Sie kriechen auf Bäumen und stinken.« Wohl der Hirschkäfer, Feuerschröter, Lucanus cervus. »Schafft bloss die hognece waki fort«, sagen die Leute.
467 Riet-, Reitwurm, mjedwedk, werla. »Wenn man einem Rietwurm mit einem alten Zweigroschenstück den Kopf abschneidet und mit einem Faden um den Hals des Kindes hängt, so ist es geschützt vor allem Ungemach.« In der Mark.
468 Mjatelica; mjatelice, jaźe auch: die »Würmer in Därmen und Kaldaune beim Rindvieh (namentlich vor und nach dem Kalben)«. B.
469 Bei Riegel u.a. šmica; kuntora. S.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 150-161.