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Schwangere. Kinder

Wenn eine Schwangere

1)

Eine S. soll

Die kleinen Kinder

Dem neugebornen Kinde5) soll man die Hände in kaltes Wasser stecken, dass ihm die Hände nicht frieren sollen und es gesund bleibt. S.

Kinder tauscht der sły duch, der böse Geist um gegen einen přemeńk,6) Wechselbalg. S.

Wenn man ein umgetauschtes Kind in der Wiege findet, soll man es tüchtig mit der Ruthe hauen, dann kommt das richtige wieder. B.

Ungetaufte Kinder7) werden Irrlichter.

Wenn Kinder unter einem Jahre

Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 107-109.


1)
In eine wendische Spinnstube wird kein Mädchen aufgenommen, das bereits ein Kind gehabt hat; dieser Umstand bedingt den Austritt. Ebenso findet die [gemeinsame] Spinnte im kommenden Jahre nicht mehr da statt, wo eine ledige Tochter des Hauses ein Kind bekommen hat.
2)
»E. S. darf nur bis zur Hälfte ihrer Schwangerschaft verschiedenes nicht sehen, später, was sie will.« Heiligensee.
3)
Die Nabelschnur: pupkowa šnorka (pupk, Nabel); von einer Verwendung derselben ist mir unter Wenden nichts bekannt geworden, ebensowenig von der Kinderkrone. – »Wenn ein Kind mit einer ›Krone‹ geboren wird, so soll man sie aufheben, denn sie bringt dem Kinde Glück.« Pommern. – »E. K., das mit einem ›Schwamm‹ g.w., wird oft nicht gross. Die ›Haut‹ selbst ist gut zum Curiren.« Heiligensee. Wenn eine Mutter es soweit bringen kann, dass ihr kleines Kind sich selbst die Nabelschnur aufknüpft, dann hat dasselbe viel Glück. Die Nabelschnur: aufheben und zerrieben gegen Krämpfe eingeben. Wenn eine Schwangere unter einer Leine weggeht, so hängt sich das Kind an der Nabelschnur auf. Heiligensee. Wiegenlied: »Spi źiśetko, Votaŕ paso wojce, Muterka paso jagnjetka, Na jadnej zelene górcycce. Spi źiśetko. Schlaf Kindchen, Vater weidet Schafe. Mutter weidet Lämmerchen, Auf einem grünen Hügel. Schlaf Kindchen.« Preilag.
4)
D.h. in den tiefen Löchern, weil die Strömung die Ecken ausreisst und tief spühlt.
5)
Kranke Kinder bekommen die Nothtaufe (chwatajca). Die zur Kindtaufe (kolacija) Eingeladenen kmótři geben entweder Geld (3–6 Mark) eingewickelt in den Pathenbrief und stecken es in der Kirche in das Taufkissen, oder sie geben Sachen: ein Röckchen (košulka) für das Kind, ein Tuch (lapa) für die Mutter, ein Halstuch oder eine Weste (brustlac) für den Wirth (Vater). Nach der Taufe (dupeńe) geht es zum Schmause. Burg.
6)
Vergl. I, 233. Anm. 3. »Přepusćenje ist etwa: Unflat, und das sagt man, wenn sich einer unanständig betragen hat.« B.
7)
Siehe I, 109–111.