Sammlung bergmännischer Sagen | weiter >>>

Vorwort

Das arme Bergmannsleben ist wunderbar reich an Poesie. Seine Sagen und Lieder, seine Sprache, seine Weistümer reichen in die älteste Zeit zurück. Die Lieder, die wohlbekannten Bergreihen, die Sprachüberreste, die Weistümer sind teilweise gesammelt. Die Sagen erscheinen hier zum ersten Mal von kundiger Hand ausgewählt und im ganzen Zauber der bergmännischen Sprache wiedergegeben. Das vermag nur zu bieten, wer ein warmes Herz für Land und Leute mitbringt, wo diese uralten Schätze zu heben sind; wer Verständnis für unser altdeutsches religiöses Leben hat, wer – es sei gerade herausgesagt – selbst poetisch angehaucht ist. Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen, ist eine alte und ewig neue Wahrheit. Hat der Verfasser auch nur aus der Literatur der Bergmannssagen uns bekannte Gebiete begangen, verdient er schon vollauf unseren Dank. Seine Liebe zur Sache lässt uns hoffen, er werde mit Unterstützung Gleichstrebender noch jene Schaetze heben, die nicht an der großen Straße liegen, sondern an weniger befahrenen Wegen und Stegen zu heiligen Zeiten schimmern und zutage gefördert sein wollen.

Unsere Stammesbrüder in Siebenbürgen und in den Venediger Alpen, am Monte Rosa, die dem lieben Bergwerke einst nachgegangen, werden auch noch manche Sagen besitzen, die der Verfasser einheimsen muß, da er einmal dazu berufen ist.

So möge denn dieses nette Büchlein seinen Rundgang durch die Welt, die Alte und Neue, antreten; es wird überall Einlaß finden, wo die Liebe zur germanischen Vorzeit, die Liebe zur Poesie vom materiellen Alltagstreiben noch nicht erstickt worden ist.

Bonn

Prof. Dr. Anton Birlinger