Wiprecht von Groitzsch

  Wilhelm Lebrecht Götzinger, Geschichte und Beschreibung des churfürstlichen Amts Hohnstein mit Lohmen, S. 17-20

Als Wiprecht von Groitzsch des böhmischen Königs Wratislaus Tochter, Judith, zur Gemahlin bekam, erbat er sich die beiden Pagos1) Nisen2) und Budesin3) zur Mitgift, welches ihm auch bewilligt wurde.4) Er besaß die beiden Pagos ungefähr vom Jahr 1080 bis an seinem im Jahr 1124 erfolgten Tod. Denn obgleich er mit ihnen seinen gefangenen Sohnes beim Kaiser 1112 freikaufte, so erhielt er sie doch wieder. Er hinterlies sie nach seinem Tode seinem Sohne Wiprecht dem Jüngeren, der sie endlich seinem Paten, dem böhmischen Prinz Wladislaus, Herzog Sobieslai Sohn durch das Testament vermachte5)6)

Von Graf Wiprecht dem Älteren erzählt nun Albin7) aus Brotufs Leben desselben, wie sehr er besorgt gewesen, seine um Froburg gelegene Ländereien anzubauen und zu bevölkern. In der Absicht reiste er zu seiner Mutter nach Franken, und brachte von daher viel Fränkische Bauern mit, denen er die wüste Heide zwischen der Mulda und der Werra eingab, um sie anzubaun. Sie mussten die Wüstungen roden und zu Getreidefeldern wandeln. Jeder Bauer baute mit den Seinigen und seinen Gesinde ein Dorf und nannte es nach seinem Namen, wozu ihnen Wiprecht noch Viehweide und Holz einräumte.

Da nun dieser Herr für den Anbau jener seiner Lande so besorgt war, sollte es denn weniger um die durch seine Vermählung erlangten Ländereinen gewesen sein, da sie doch ohne Zweifel bis auf die wenigen von den Sorben angelegten Orte ebenso wenig angebaut waren, als jene um Froburg? Und sollte es daher nicht wahrscheinlich sein, daß er auch die in hiesiger Gegend mit deutschen Namen benannte Dorfschafften als Burkersdorf, Herringswalda, Ulbersdorf, Porschendorf, Dittersbach u.s.w. durch seine deutschen Kolonisten anlegen lassen und somit die Erbauung dieser Orte in jene Zeiten zu setzen ist?

Quelle: Die Sagenwelt der Sächsischen Schweiz, Sven Wusch, 2023


1)
Pagos bezeichnet eine altes Verwaltungsgebiet
2)
das spätere Dresden
3)
Bautzen
4)
Götzinger: Monachus Pegaviensis in vita Wiperti apud Hofman. in Scriptt. Rer. Lusat. T.I.c.VII.
5)
Götzinger: Bohusl. Balbini Epit. Rer. Bohem. L. III. C. X. p. 221.
6)
Anmerkung Sagenwiki: Wiprecht der Ältere wurde vom späteren Kaiser Lother von Supplinenburg bereits 1123 aus seinen Lehen vertrieben und Albrecht den Bären (Lausitz) und Konrad von Wettin (Meissner Land) damit belehnt. Sein Sohn Wiprecht der Jüngere starb bereits 1116. Erst sieben Jahre nach dem Tod Wiprechts des Älteren erhielt sein Sohn Heinrich von Groitzsch den Titel des Marktgrafen der Lausitz vom Kaiser zurück (1131).
7)
Götzinger: Pet. Albini Meißnische Land-Chronika. S. 178