Sage des Monats April 2024
W. L. Götzinger, Geschichte und Beschreibung des churfürstlichen Amts Hohnstein mit Lohmen, S. 13
Die ersten Bewohner der Sächsischen Schweiz waren unstreitig die Hermunduren, eine Hauptnation unter den alten Deutschen. Strabo1), der zu der Zeit der Geburt Christi, unter dem Kaiser August lebte, nennt sie zuerst, und sagt, daß sie an der Elbe gegen Morgen zu gewohnt. Sie waren ein umherschweifendes, ungebildetes, rohes Volk, dessen Hauptbeschäftigung Krieg und Jagd war. Sie legten sich daher weder auf Ackerbau noch auf Erbauung von Dörfern, sondern sie wohnten in ihren Hütten nur so lange in einer Gegend, als sie Weide für ihre zahlreichen Herden fanden. Und zogen sogleich weiter, wenn alles aufgezehrt war. Indessen standen sie doch mit den Römern in einer engeren Verbindung, als die übrigen deutschen Völker. Sie genossen sogar das besondere Vorrecht, dass sie den Römern ihre Produkte frei zum Verkaufe bringen durften.
Nach den Zeiten Kaiser Konstantins des Großen, unter dem man sie im nördlichen Meissen und an der Schlesischen Grenze findet, wird ihrer nicht mehr in der Geschichte gedacht. Andere Völker nahmen ihre verlassenen Wohnsitze ein, und vereinigten sich mit einem Teil derselben so, dass sie für ein Volk gehalten und nur nach dem Namen der mächtigsten Nation benannt wurden. Auf diese Art mochte es auch geschehen, daß der Name der Hermunduren aus der Geschichte verschwindet, da sie sich im sechsten Jahrhundert mit dem fremden und mächtigen Volk der Sorben verbanden; welches die zweite Nation ist die ehedem unsere Gegend bewohnte.
Quelle: Die Sagenwelt der Sächsischen Schweiz, Sven Wusch, 2023