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Vom letzten römisch-katholischen Pfarrer von Schweina, der sich dann zu Luthers Lehre bekannte, erzählt die Sage, er sei ein so eifriger Bibelleser gewesen, daß er sich selbst im Tode nicht habe von diesem heiligen Buche trennen können. Als er nämlich zum Leide seiner Gemeinde gestorben, habe sich von seinem Begräbnißtage an alle Abende ein helles Licht in seiner Studirstube gezeigt und als es endlich einige beherzte Männer gewagt, mittelst einer Leiter hinanzusteigen und durch die Fenster zu blicken, hätten sie ihren alten Pfarrer leibhaftig an seinem Tische sißen und in der Bibel lesen sehen. - Darüber aber wären die Schweinaer in so große Bekümmerniß und Angst gerathen, daß sie sich für schweres Geld einen Jesuiten aus Dermbach geholt, der den Geist des verstorbenen Herrn aus der Pfarrei hätte bannen und zur ewigen Ruhe bringen sollen. Dieser habe sich jedoch durch die Faren des Jesewitters nicht im Geringsten stören lassen und ruhig in seiner geliebten Bibel fortgelesen, bis endlich am dritten Tage der Jesuit seine Ohnmacht gestanden und zu einem legten Versuche einige gute Freunde des Pfarrers mit sich auf dessen Studirstube genommen. Diesen nun gegenüber habe der Pfarrer in strengen Worten die Erklärung gegeben, daß er sich nimmer von seinem geliebten Kleinod trennen könne und würde. Hierauf sei denn der Pfarrer am folgenden Tage wieder ausgegraben und ihm seine Bibel in die Gruft mitgegeben worden. Und so habe denn auch der Spuk sein Ende erreicht.
Quellen: