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Zu dem Müller in Kemnitz, Kamjena, bei Triebel, Tŕobule, kam ein Mann, das war der Teufel, und machte mit ihm eine Wette, er wollte einen Stein von Görlitz bis Kemnitz schaffen, ehe der Hahn krähte. Weil aber der Müller traurig wurde, stand ihm eine alte Frau mit gutem Rathe bei. Sie kletterte auf einen alten Zaun, hob sich den Rock in die Höhe und klatschte sich mit den Händen auf den Hintern; dabei krähte sie: »Kikeriki«. Da fingen alle Hähne an zu krähen. Schon war der Teufel nahe heran mit dem Steine, aber wie er das hörte, liess er ihn fallen.
Andere sagen: der Teufel brachte den Stein auf einem Wagen herbei, wollte die Mühle (das Schloss eines Herrn) zerschlagen (einwerfen) und die Tochter des Müllers heirathen. Auf dem Steine konnte man sehen, wo der Teufel mit den zehn Fingern eingegriffen hatte. Andere sagen: in dem Steine sind die zwei Handteller und die Arschbacken des Teufels abgedruckt. Der Stein soll noch daliegen auf dem Wege von Zels, Celc, nach Triebel. S. I, 185.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 86.