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Der Kobold als Mütze

Der Kobold war ein kleines Männchen und hatte rothe Mütze und rothe Jacke.

Mal hatte ein Mädchen einen Kobold. Der musste ihr immer beim Spinnen helfen und sass dann in dem Pantin1), den sie beim Spinnen auszog. Damals brannten sie noch Kien im Kamin2). Wenn nun der Kobold im Pantin sass, so hat er gepfiffen. Wollten sie ihn aber greifen, so war er schnell unter dem Kamin im Ofenloch. Wollten sie ihn da greifen, so war er wieder im Pantin, kurz, sie kriegten ihn nicht. Wenn das Mädchen abends nach Hause kam, zog sie immer zwei Spulen auf, und morgens waren sie beide vollgesponnen.

Wie Ihr wisst, muss auf dem Lande Sonnabend abends alles reingemacht werden, Tische, Bänke, Schemel, alles wird gescheuert. Lange nun hatte der Bauer, bei dem das Mädchen diente, sich schon gewundert, dass sie so fleissig war. Darum sagte er eines Sonnabends: »Das Mädchen ist so fleissig, hat immer alles so rein, ich muss doch mal zusehen, wie das sich macht«. Dann legte er sich des Nachts auf die Ofenbank und wollte zusehen. Es dauerte nicht lange, so kam es und scheuerte alles rein. Wie es an die Ofenbank kam, nahm es ihn sacht herunter und legte ihn auf die Dielen (delowanje). Wie es aber mit Scheuern fertig war, legte es ihn wieder auf die Ofenbank. Nun wusste er, wie es kam, dass sein Mädchen so fleissig war. »Hernach« wollte das Mädchen den Kobold nicht mehr haben, dann ging er aber nicht, bis sie ihm einen Dreier gab, dann ging er seiner Wege.

Alsdann verwandelte er sich in eine alte Mütze, wie die Männer sie tragen, und lag so herum. Wer dann solche alte Mütze aufhebt, der hat den Kobold3). G.-S.

Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 74-75


1)
Der Pantin, pantochla, eine im Volke sehr allgemeine Fussbekleidung, wird [von den Wenden im Spreewalde, namentlich in Burg, oft mit feinem künstlerischen Geschmacke] aus leichtem Holze geschnitten, hat hohe Hacken und wird für die vordere Hälfte des Fusses mit Leder überspaunt; in dieser Lederwölbung sass der Kobold. Beim Spinnen zieht man, um mit dem betreffenden Fusse das Spinnrad besser treten zu können, den Pantin aus.
2)
Vergl. S. 71, Anm. 3.
3)
Wendisch heisst: kłobyk, kłobuk (in Burg gesprochen wie kobuk, sonst kwobuk und klobuk) der Hut; kobołk ist Knoblauch. »Kobolzschiessen« sagt man im Deutschen, wenn z.B. einer »Kopf über hinfällt«, sich überschlägt.