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Wenn einer einem andern einen Possen spielen und ihm einen Hund oder Menschen blind machen will, so kann er es mit Krötenfett thun. Dazu soll er in dem Hause, wo er schaden will, die Handtücher oder sonst die Tücher womit sich die Leute abwischen, mit Krötenfett einschmieren. Burg.
Um Johanni haben früher die Alten mit einer Bandruthe1) die Kröte durchstochen und beim Kuhstall auf einen Stock gesteckt, mit der Schnauze gen Himmel2), oder, wie andere sagen, Stöcke mit Kröten in die Ritzen zwischen den Balken der Hauswand. B.
Mitten zwischen den beiden Marientagen3) soll man eine Kröte durchstechen, sie austrocknen4) und damit gegen die Gesichtsrose räuchern. Kröten, zwischen beiden Marien durchstochen, und getrocknet, sind auch gut gegen den Stich giftiger Thiere, weil sie selbst giftig sind. B.
Ausgetrocknete Kröten sind gut gegen Geschwüre jeder Art. G.-S.
Wenn eine dicke Kröte, bŕuchata śkrodawa5), um die Schwelle an der Thüre herumkriecht [sonst nicht], sagen viele: »Tam jo chodota; to su chodote, da ist eine Hexe; das sind Hexen«. B.
Wenn eine Kröte in das Haus will, sagt man: »Alte Hexe«. Heiligensee
Wenn gutes Wetter ist und die Kröten gegen Abend, in der Dämmerung, vorkommen, sagt man: »Nun wird sich das Wetter bald ändern, die Kröten6) sind vorgekommen«. B.
In der Erde findet man manchmal »solche Steine«, kamenje [Krötenkronen!]. Drückt man damit Beulen und Geschwüre, so gehen sie weg. S. I, 94.
»Moja mać jo wudowa
Ja som liderlich škrodawa.
Meine Mutter ist 'ne Wittwe
Ich 'ne liederliche Kröte«,
wird spasshaft gesagt. S.
Man sagt [als Verwünschung, im Aerger u.s.w.]: »Ty neẁedrowa-, dunder-, cartowa-škrodawa7), du [Ungewitter] Gewitter-, Dunder- [Donner-], Teufels-Kröte«.
Bei Pauli Bekehrung kehren sich die »Padden«8) um. Dann sollen die Mädchen sich das Deckbett verkehrt legen und sagen:
»Pauli bescher' mir,
Dass ich meinen Bauch nicht sehe«.
Quelle: Schulenburg, Willibald von: Wendisches Volksthum in Sage, Brauch und Sitte. Berlin: Nicolai, 1882, S. 46-48.