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Geschichte der Stadt Freiburg Thl. II. S. 239. ff. und Burgen u. s. w. Badens und der Pfalz. Thl. I. S. 119. ff.)
Es rennt ein Weib durch’s Höllenthal
Gejagt von Höllenangst und Qual.
Die schlimmen Herrn von Falkenstein,
Sie fingen ihren Gatten ein.
Der ihn verrieth mit argem Sinn,
Der Vater war’s der Dulderin.
Sie klimmt zur Felsenburg empor
Und klopft verzweiflungskühn an’s Thor:
„Ihr hohen Herrn im Ritterhaus,
Gebt meinen Gatten mir heraus!“
„Durch eure Schuld am Schmerzenstag
Sein Kind im Mutterschooß erlag.“
Herr Werner straks zum Erker kam,
Mit Zürnen solchen Lärm vernahm.
„Seid gnädig, Herr von Falkenstein,
So wird auch Gott euch gnädig sein.“
„Bedenkt, wenn ihr den Frieden brecht,
In Rottweil spricht der Kaiser Recht.“
Herr Werner sprach: „Das macht mir Angst,
Geschehen soll, was du verlangst.“
Sie stürzen den gefangnen Mann
Herab vom höchsten Thurm sodann.
Am jähen Hang bei Falkenstein
Liegt blutig sein zerschellt Gebein.
Das arme Weib im Felsengrund
Küßt stumm den bleichen, kalten Mund.
Ihr Antlitz still zum Himmel schaut,
Der selbst die Hölle überblaut.
Mit blut’gem Rock vor Freiburgs Rath
Die jammervolle Wittwe trat.
„O Freiburg, das für Freiheit bürgt,
Wird ungestraft dein Volk erwürgt?“
„Ist mächt’ger denn die Falkenschaar,
Als Deutschlands stolzer Kaiseraar?“
Die Herrn von Freiburg säumen nicht,
Dem Frevel folgt das Strafgericht.
Auf Falkenstein liegt schwere Acht,
Und Freiburgs Männer nahn mit Macht.
Ihr Schwert ist scharf, ihr Pfeil ist spitz,
In Trümmer sinkt der Falkensitz.
Quelle: Heinrich Schreiber, Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend, Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867