<<< zurück | Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau | weiter >>>
L. Keller
O Schwarzwald, meiner Heimath Zier,
Du meine Herzenslust,
Wie bin in deinem Schooß’ ich mir
So vieler Freud’ bewußt!
Da steig’ ich rüstig himmelwärts
In früher Einsamkeit;
Denn hier wird mir so leicht das Herz,
Die Brust so frei und weit.
Durch Schluchten, wo der Waldbach wühlt,
Und stürzend tost und schäumt,
Wo doch das Herz so wohl sich fühlt
Und gar so gerne säumt.
Und oben endlich, – keine Spur
Vom Menschentreiben mehr; –
Jungfräuliche Gebirgsnatur
Begrüßt mich hier, so hehr.
Im Morgenrosenlicht die Höh’n,
Umweht von frischer Luft,
Mit ihrer Pflanzenwelt so schön
Und reich an Blüthenduft;
Die Waldeshallen grün bedacht,
So wundersam durchrauscht,
Als spielten Geister hier mit Macht
Die Harfen unbelauscht.
Die schaurig stillen Seen auch
In ihrem dunkeln Glanz;
Was flüstern sie im Morgenhauch
Beim leichten Wellentanz?
Dort unten an der Berge Hang
Die Thäler still und traut,
Im Schlummer noch; kein Glockenklang,
Noch keines Menschen Laut!
Und fern verschwommen das Gefild,
Nur lichter hier und dort;
Ein vielgestaltig Nebelbild,
Sich wechselnd immerfort.
Jetzt durch des Morgens Gluthen bricht
Der erste gold’ne Strahl,
Und nun ergießt ein Meer von Licht
Sich über Berg und Thal.
Da, was mich etwa noch bedrückt
Von Sorgen menschlich klein,
Vergessen ist’s und hochentzückt
Jauchz’ ich in’s Land hinein.
Wie bin in deinem Schooß’ ich mir
Der Freuden viel bewußt,
O Schwarzwald, meiner Heimath Zier
Du meines Herzens Lust!
Quelle: Heinrich Schreiber, Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau und ihrer Umgegend, Druck und Verlag von Fr. Xav. Wangler, 1. Auflage von 1867