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Geist in der kalten Staude

Zwischen Rohr und Meiningen ist ein Gehölz, heißt die kalte Staude, darin ist es nicht richtig. In der Schlundgasse hatte vor Zeiten ein ruheloser Geist sein Wesen, schreckte die Leute und war sehr bösartiger Natur. Da wurden Popelsträger1) verschrieben, die fingen das Gespenst, steckten es in einen Sack und trugen es in die kalte Staude, wo es in einen Baum gebannt wurde. Gleichwohl spukt es nun in jenem Gehölz, hockt sich den Wanderern auf, und ertheilt nach Art seiner Genossenschaft unsichtbare Maulschellen.

Quellen:


1)
Hochdeutsch wahrscheinlich Popanzträger, Geisterbanner, im thüringischen Volksglauben fast jedesmal, so oft sie vorkommen, Jesuiten.