<<< | Sagen aus Thüringens Vorzeit, den drei Gleichen, dem Schneekopf und dem thüringischen Henneberg | >>>
In dem Flecken Schwarza ist es geschehen, daß an einem Weihnachtsabend Frau Holle mit ihrem wüthenden Heer durch den Ort zog. Vor dem Heere her ging der treue Eckart, und warnte die Leute, daß sie aus dem Wege gingen. Da fügte es sich, daß ihm zwei Knaben begegneten, die gerade aus dem nächsten Dorfe Bier geholt; diese gehorchten auch der Warnung des Alten, da sie Schatten ansichtig wurden, und versteckten sich in eine Ecke, das Heer vorüber zu lassen, aber einige Furien traten zu ihnen, ergriffen ihre Kannen, und tranken das Bier aus. Als der ganze Zug und Spuk vorbei war, kamen die Knaben aus ihrem Winkel hervor und gingen nach Hause, waren aber sehr bekümmert, und wußten nicht, was sie vorwenden sollten, wenn sie nun kein Bier mitbrächten. Wie sie darüber sich berathschlagten, trat der treue Eckart zu ihnen und sprach: Wohl habt ihr gethan, daß ihr das Bier freiwillig hergegeben, sonst wären euch von den wilden Weibern die Hälse umgedreht worden.
Gehet nur getrost heim mit euren Kannen, und saget in dreien Tagen Keinem von dem, was ihr ge-hört und gesehen. Die Knaben thaten also, und wie sie heim kamen, brachten sie volle Kannen, und so oft daraus eingeschenkt wurde, wurden die Kannen nimmer leer, so lange sie schwiegen. Als sie aber das Stillschweigen brachen, war das Bier alle, und die Sache aus.
Quellen: