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Der Sammet Aermel

Die Stadt Waltershausen führt einen Karpfen zwischen Bäumen im Wappen, und es geht die Sage dort, daß das Wappen folgenden Ursprung habe. Vor alten Zeiten wär oben vor dem Waldthor am Fuß des Strömelberges eine schöne Quelle, welche zu Thal fließend, die Stadt mit Wasser versah. Eines Tages aber geschah es, daß sie begann, sich also stark und furchtbar zu ergießen, daß durch die Wassermenge das Städtlein ernstlich bedroht wurde, denn zum Bergstrom angeschwollen, wälzten sich die rollenden Wogen herab, daß alles zagte. Das Wasser stürzte das Waldthor ein und drang schon in die ersten Stockwerke der Häuser. In solcher Noth verschrieb der Stadtrath einen Pfaffen aus der Nähe, etwa aus Reinhardsbrunn, der ging hinan zum Berg, stopfte die Quelle mit einem Aermel zu und versprach sie. Darauf hörte das Wasser auf zu fließen, und die Quelle, oder der Ort, wo sie vordem sprang, bekam von da an den Namen der Sammet-Aermel oder der Mönchsärmel.

Wie das wilde Wasser in der Stadt sich verlaufen hatte, fand man eine große Menge Karpfen und andere Fische auf Zäunen und nieder Bäumen, deßhalb nahm die Stadt zum Gedächtniß solcher Ueberschwemmung einen Karpfen und drei Baume in ihr Wappenschild. War aber vorher ein Wasser-Ueberfluß daselbst gewesen, so trat durch des geweihten Kuttenärmels Kraft nun Wasser- Mangel ein, denn der Aermel ließ auch fein Tröpflein mehr aus der Quelle heraus und herab. Deshalb hat die Stadtgemeinde der Dorfgemeinde zu Wahlwinkel ihren Bach abgehandelt und nach der Stadt geleitet, der noch heute dorthin fließt, und wurde dafür ein Stück Tannengehölz gegeben, das noch heute die Wahlwinkler Gemein heißt.

Quellen: