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Das Geisbeinsloch

Am großen Marktberg ist noch eine Höhle, die wundersamste von allen, denn sie ist ganz versetzt, und es kann sie keiner finden, der nicht besonders vom Glück und Schicksal dazu auserkoren ist. Die Venetianer kannten sie wohl, und sie sollen es auch sein, die diese Höhle so verzaubert haben, damit die Schätze in ihr ruhig fortwachsen, bis sie wiederkommen zur rechten Zeit und Stunde. Vor Zeiten ließ sich ein Mann auf den Wartberg führen, der schreibt davon also:

Am großen Wartberge. Auf der Steinkoppen, da mich Hans Hirt hinführte, da sahe ich ein wenig zur Rechten für mich etwa zehn Lachter niederwärts einen Hollunderbusch blühen, noch zwei Lachter tiefer zwei Lindenbüsche nach einander stehen, und gleich dabei mitternachtswärts steht ein Steinfels, darunter ein Lachter gegen Mittag und ein Lachter unter dem zweiten Lindenbusch nach dem Dorfe Schmeerbach zu ist ein Punkt, von welchem fünf Lachter seitwärts zur Linken in einer Telle hinter einem Haselbusch das heimliche Loch ist, mit welchem es eine wunderbare Beschaffenheit hat, denn es allezeit über das dritte Jahr, das ist im 4ten Jahr, zwei Tage offen ist, und geschieht nehmlich auf Walpurgis- und Johannistag, Anno 63, 67, 71 u. s. w. 91, 95, 99 u. s. w. Darin ist ein großer Erzstock, der Centner giebt 30 Pfund Gold und 45 Pfund Silber.

Quellen: