<<< zurück | Sagen aus Thüringens Frühzeit, von Ohrdruf und dem Inselberge | weiter >>>
In Wahrheit sprach ein Ruhlaer Mann zu mir: Es wären wohl Bücher zu füllen mit all unsern Geister, Gespenster-, Bergschätze- und Hexensagen, wenn man sie nach Art mancher Mährchenjäger zur Kurzweil breit zerren und ausschmücken wollte. Von vielen seien nur noch folgende angedeutet:
Bei der dicken Eiche am Breitenberg hat ein Mann eines Jahres drei Sonntage hintereinander drei weiße Lilien blühen sehen, an einer Stelle, wo sonst gar keine Blume wächst; es dauerte ihn, sie abzubrechen, weil sie so schön waren. Endlich beim dritten Mal, als er schon eine Strecke davon weg ist, fällt ihm bei, daß es damit doch eine eigene Bewandnis haben möge, er kehrt um, aber die Lilien sind zu seinem Erstaunen verschwunden. Hätte er sie gepflückt, so hatte er die Glücksblume in Händen.
Am Dornsenberg fährt bisweilen eine gläserne Kutsche, darin sind die Hexen, der Teufel fährt sie spazieren.
Am Wasserberg sah einmal einer aus der Ruhl, Hangottlieb, Hasenbeine in der beblumten Wiese liegen, verwundert sich darüber und geht vorbei, endlich fällt ihm ein, ob es nicht etwas zu bedeuten habe, und kehrt um. Da waren sie verschwunden.
In der Herren-Schleifmühle stieß ein Schleifer seine Frau in das Kammrad, weil sie ihm die Mittagskost einmal zu spät brachte, die spukt noch immer, geht auf die Mühle zu in der Mittagsstunde und verschwindet dann mit einem kläglichen Schrei.
Und so tönen Ruhlaer Spuk- und Gespenstersagen ins Unendliche fort.
Quellen: