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Der beleidigte Hausgeist

Am sogenannten Mönch, einer großen Waldwiese von Broterode nach der Ruhl zu, stand vor Zeiten eine Schleifmühle, deren Besitzer in gutem Wohlstand lebte. Dieser hatte einen fleißigen Hausgeist, welcher die Ursache des Wohlstandes war, denn wenn der Schleifer nur Klingen in die Mühle that, so brauchte er sich dann nicht weiter darum zu bekümmern, blank geschliffen und polirt fand er sie wieder. Der Geist ließ sich bisweilen erblicken und war ein wunderlich gekleidetes kleines Männchen, das ein seltsam geformtes Mützchen trug, doch machte es der Mühlenbesitzer niemals irre. Nun hatte aber der Geist die Gewohnheit, bisweilen einen ganz eigenthümlichen Ton auszustoßen, und einmal, nachdem die Sache gar lange mit dem Hausgeist und dem Schleifmühler gut gethan hatte, wandelte dem Letzern die Laune an, jenen Ton, als der Hausgeist ihn wieder hören ließ, nachzuäffen. Von Stund an verstummte der Geist, ließ sich nicht mehr hören und sehen, die Messerklingen blieben ungeschliffen, die Mühle kam in großen Verfall, das Geschäft ging ein, der Mühler mußte in Armuth sterben, und jetzt ist selbst vom Haus keine Spur mehr zu finden.

Quellen: