<<< zurück | Sagenbuch der Sächsischen Schweiz | weiter >>>

Das Bäckermädchen in Pirna

  Gräße, a. a. D. S. 164. 
  W. Ziehnert, 4. Aufl. 1881. S. 506.

Die Tochter eines Bäckers mußte täglich Brot ins Mönchskloster schaffen, wofür sie das Geld in Empfang nahm. Einstmals kam sie nicht zurück, und als der Vater die Mönche fragte, versicherten diese, daß sie mit dem Gelde fortgegangen sei. Ein betrunkener Zimmermann aber (wie es heißt ihr Bräutigam) war in der Klosterkirche eingeschlafen. Um Mitternacht erwachte er durch ein verworrenes Geräusch von männlichen und einer klagenden weiblichen Stimme und sah, wie zwei Mönche das Mädchen geschleppt bringen und erstechen; die Leiche aber warfen sie in eine Fallthüre hinter dem Altare. Wegen solcher Schandthat ward das Kloster aufgehoben. Ein Stein mit dem Bilde bezeichnet noch heute das Haus ihres Vaters auf der Langengasse.

Quelle: Sagenbuch der Sächsischen Schweiz; Herausgegeben von Alfred Meiche, Leipzig 1894, Verlag von Bernhard Franke