<<< zurück | Sagen aus Thüringen - Orts- und Volkssagen | weiter >>>

Kindermörderinnen gehen um

  K. Aue.

a) In einem nun abgerissenen Hause gebar eine Magd, als sie Kartoffeln für das Vieh kochte, heimlich ein Knäblein. Da sie ihre Frau jeden Augenblick erwarten mußte und nicht wollte, daß diese Zeugin sei, beschloß sie, das neugeborne Kind schleunig zu töten und that es zu dem Ende in die glühheiße Mischung von Kartoffeln und Wasser. Kaum gethan, trat die Frau ein, die das veränderte Aussehen der Magd bemerkte und durch Fragen auf den Grund zu kommen strebte. Sie versuchte sich zu entschuldigen und zu leugnen. Aber eben trieb die wallende Flüssigkeit ein Aermlein des Kindes empor und sie war entdeckt. Sie wurde festgenommen, gerichtet und enthauptet. Nach ihrem Tode erschien sie eine Zeit lang in der Küche.

b) Eine junge Witwe wurde schwanger, wußte ihren Zustand zu verbergen und gebar heimlich einen Knaben , den sie in einem Kasten verborgen ernährte . Sie war so vorsichtig, daß Niemand die Sache merkte, nur glaubte man zuweilen ein leises, unterdrücktes Geschrei zu hören. Das Füttern besorgte nächst ihr der eine ihrer beiden älteren Knaben. So mochte das Kind drei oder vier Monate alt sein, als ein leises Gerücht umlief und seinen Weg zu der Obrigkeit fand, die strenge Haussuchung zu thun beschloß. Die Frau bekam Nachricht, tötete das Kind und vergrub es in dem Garten hinter dem Hause. Unerwartet schnell erschienen die Beamten. Sie wurde vernommen, wußte aber durch einen Vorwand sich die Erlaubniß, das Zimmer zu verlassen, zu verschaffen. Schlau benutzte sie dieselbe, entwich durch die Hinterthür in den Park und ertränkte sich. Lange wartete man auf ihre Wiederkehr, bis man endlich argwöhnisch wurde und das Entweichen entdeckte. Man zog sie todt aus dem Wasser und alle Versuche, sie wieder zu beleben, scheiterten. Der Knabe, der das Geschäft des Fütterns mit der Mutter getheilt hatte, gestand, was er wußte; das Kind wurde in dem Garten gefunden. Es hatte einen Nagel in der Hirnschale. Man begrub die Frau auf dem Friedhofe, und da soll sie sich oft, auf ihrem Grabe sitzend, das ermordete Kind in dem Schoße, Vielen gezeigt haben.

Quellen: