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Die heilige Elisabeth in Marburg

  Dür. Chron. S. 380 ff.

Herrlich und ehrbar brachte nun Landgraf Heinrich seine Schwägerin Elisabeth mit seiner Mutter wieder nach Eisenach und auf die Wartburg und behielt sie dort in Güte und Liebe bei sich mit ihrer Dienerschaft, so viel sie deren haben wollte, und erbot ihr alle Ehre und Aufmerksamkeit wie seiner Mutter. Dasselbe that auch seine Mutter und sein Bruder und waren ihr auf alle Weise gefällig und zu Willen. So blieb sie bei ihm wohl ein Jahr und er hatte sie gern länger bei sich behalten, wäre es ihr nur eben und recht gewesen; allein sie suchte immer die Einsamkeit, zog sich von den Hofleuten zurück und je mehr Ehre man ihr erbot, umsomehr demüthigte und erniedrigte sie sich selber. Sie begehrte auch von dem Landgrafen, daß er ihr eine bequeme Stätte ausersehen möchte, wo sie nicht viel bekannt wäre, ihre Nahrung haben könnte und ihr eigen Gemach. Da ging er mit sich zu Rathe und bestimmte Marburg mit seiner ganzen Zugehörung an Dörfern und Zinsen, Gerichten und Renten zu ihrem Leibgedinge; auch gelobte er fünfhundert Mark ihr zu ihrer Einrichtung dort zuzusenden. Sie dankte ihm und ihrer Schwiegermutter und sprach, daß ihr an dieser Erstattung und Besserung wohl genüge. So zog sie aus dem Lande zu Thüringen nach Marburg und nahm das in ihren Besitz. Die Leute dort erwiesen ihr aber so große Ehre, daß sie es nicht ertragen konnte und zog auf ein Dorf.

Ein Spital ließ Elisabeth mit dem Gelde, das sie aus Thüringen mitgebracht hatte und das ihr zufiel von ihrem Leibgedinge, vor der Stadt Marburg erbauen und daneben für sich ein kleines, ärmliches Häuschen, in das sie mit ihren beiden Dienerinnen, Isentrud und Jutta, von dem Dorfe zog, wo sie einstweilen in einem alten verfallenen Hause gewohnt hatte. Sie zog auch ein ärmliches Kleid an von grobem und ungefärbtem Tuche und kleidete in dasselbe Tuch auch ihre Dienerinnen, und denen genügte auch solche Kleidung und war ihnen gut genug. In den Spital, sobald dessen Bau soweit gediehen war, nahm sie kranke, gebrechliche Leute und übte an ihnen ihre große Demuth und Barmherzigkeit; sie hub und trug sie, wusch und reinigte sie, und was man kranken und siechen Leuten erweisen soll, das that sie Alles und ließ nichts unterwegen. Der Landgraf Heinrich schickte ihr durch Meister Konrad, ihren geistlichen Pfleger, dem sie vom Papste Gregorius IX. befohlen war, fünfhundert Mark Landeswährung, wie er ihr bei ihrem Weggange und Abschiede in Eisenach gelobt hatte. Dieses Geld ward an den Spital gelegt und reiche Almosen wurden davon den armen Leuten verabreicht.

Ihr Vater, der König von Ungarn, hatte von ihrem ärmlichen Leben gehört und er sendete zu ihr einen Grafen, mit Namen Panias, daß er sie zu ihm heim bringen sollte. Als dieser ihr ärmliches Leben sah, weinte er und bat sie inständigst, daß sie mit ihm zu ihrem Vater nach Ungarn ziehen möchte. Das wollte sie aber nicht thun und sprach, ihr genügte an ihrem Leben wohl.

Quellen: