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Hogel's Chronik S. 1058.
Als nach etlichen Wochen Faust von Prag nach Erfurt zurückgekehrt war, bittet er dieselben Freunde zu sich bei St. Michael zu Gaste. Als sie nun kamen, sahen sie in der Stube noch keinerlei Vorbereitung zur Bewirthung. Faust schlug aber mit einem Messer auf den Tisch und sogleich erschien ein Diener. „Wie schnell und behende bist du?“ fragt Faust. „Wie ein Pfeil,“ antwortet der Diener. „Das ist mir zu langsam,“ sprach Faust, „du dienst mir nicht, gehe hin, wo du hergekommen bist.“ Nun schlug er wieder mit dem Messer auf den Tisch und es kam ein zweiter Diener, schnell wie der Wind. „Es ist wohl etwas besser,“ sprach Faust, aber er entliess ihn dennoch und klopfte zum dritten Male.
Da trat der dritte Diener herein, welcher schnell war, wie die Gedanken der Menschen. „Du bist der rechte, du wirst's thun,“ sagte Faust und ging mit ihm hinaus und gab ihm Befehl, was er thun sollte, dann kam er wieder herein zu den Gästen und hiess sie niedersigen. Bald brachte der Diener selbdritte ein jeder drei gedeckte Schüsseln voll, und das geschah viermal. So wurden also 36 Schüsseln aufgetragen mit Wildpret, Vögeln, Gemüssen, Pasteten und anderm Fleische, ohne das Obst, Confect und Kuchen. Alle Becher, Gläser und Kandeln wurden leer auf den Tisch gebracht und Faust fragte die Gäste, was ein jeder trinken wollte von Bier oder Wein, sesste darauf das Geschirr in's Fenster und nahm es bald wieder voll des Getränkes herein, das man haben wollte. Die Musik, welche ein Diener spielte, war so lieblich, dass dergleichen die Gäste noch nie gehört hatten. So waren sie lustig und guter Dinge bis an den hellen Morgen.
Quellen: