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Das schwitzende Bild in der Kirche zu Ober-Rossla

  Theatrum Europ. VII, 136 .
  Happelii relat. curios. V, 325.

In der Kirche zu Ober-Rossla bei Weimar, sagt man, habe sich im Jahre 1651 dieses zugetragen.

Der Pfarrer predigte eines Sonntags vom Greul der Verwüstung in der christlichen Kirche und führte insonderheit an, wie noch gar viele aus Halsstarrigkeit oder Unbedachtsamkeit Kirchen und Schulen zu bauen und zu bessern unterliessen und in solcher Weise den Verwüstungsgreul handhabten. Dabei brachte er zur Erweichung der Gemüther einige Worte aus Luthers Schriften vor. Während dieser Predigt wollen nun etliche Zuhörer, die auf dem Chore standen und Luthers Bildniss, das ein Hofprediger in Weimar der Kirche in Ober-Rossla verehrt hatte, genauer betrachteten, wahrgenommen haben, dass Luthers Angesicht auf dem Bilde voller Schweisstropfen war, an Grösse und Farbe den Thränen nicht ungleich ; auch haben sie gesehen, dass drei grosse Tropfen von dem Haupteauf das offene Buch herabflossen. Nach dem Gottesdienste ist das Bild von dem Pfarrer, dem Schuldiener und den Altarleuten genau besichtigt worden und es hat sich befunden, dass der Staub auf dem Bilde überall ganz trocken, auch sonst keine Feuchtigkeit weder an dem Rahmen noch an - der Leinwand vorhanden war, und obgleich man die Schweisstropfen aus dem Gesichte abwischte, sind doch an deren Stelle bald andere häufig hervorgetreten. Erst am Nachmittage verlor sich dieser Schweiss und das Bild ward wieder trocken.

Quellen: